Die Hafenanrainer im stadtbremischen Überseehafen haben ein gemeinsames Perspektivenpapier zum Projekt „CO₂-neutraler Überseehafen 2035“ vorgelegt. Das Papier zeigt: Eine vollständige Dekarbonisierung des Überseehafens bis 2035 ist technisch machbar – erfordert jedoch erhebliche Investitionen, einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien sowie gezielte regulatorische Anpassungen.
Dazu der bremenports-Geschäftsführer Robert Howe: „Mit dem Perspektivenpapier liegt nun erstmals eine belastbare, datenbasierte Grundlage vor, die zeigt, wie der Überseehafen in Bremerhaven bis 2035 CO₂-neutral werden kann. Zugleich richtet sich das Papier als Einladung an Politik, Netzbetreiber und Fördermittelgeber, die Transformation aktiv zu unterstützen und die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen."
Kernstück der Analyse ist ein sogenannter Digitaler Zwilling des Energiesystems im Überseehafen. In diesem wurden die heutigen und zukünftigen Energieverbräuche der beteiligten Unternehmen modelliert und verschiedene Transformationspfade simuliert. Das zentrale Ergebnis: Um CO₂-Neutralität ohne Kompensation zu erreichen, muss die heute noch stark fossil geprägte Energieversorgung des Hafens weitgehend elektrifiziert werden. Dies betrifft insbesondere den Containerumschlag, die Wärmeversorgung und insbesondere das Thema Mobilität im Hafen.
Das Perspektivenpapier skizziert Maßnahmen der Anrainer, wie diese die Dekarbonisierung angehen wollen – dazu gehört unter anderem ein umfangreicher Ausbau der lokalen Erzeugung erneuerbarer Energien: Bis 2035 könnte die Stromerzeugung aus Wind- und Photovoltaikanlagen im Überseehafen auf diese Weise von derzeit rund 8 GWh auf etwa 237 GWh pro Jahr steigen. Vorgeschlagen werden unter anderem bis zu zehn Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 60 MW sowie Photovoltaikanlagen mit einer Spitzen-Leistung von rund 100 MW unter idealen Bedingungen – vor allem auf Dächern, Carports und geeigneten Freiflächen. Ergänzend werden Batteriespeicher und perspektivisch auch kleinere Elektrolyseure zur Eigenverbrauchsoptimierung empfohlen.
Ein weiterer wesentlicher Baustein ist der Ausbau der Landstromversorgung. Mit der geplanten Installation von insgesamt bis zu zwölf Anlagen für Container- und Kreuzfahrtschiffe leistet Bremen einen wesentlichen Beitrag damit Schiffsbetreiber ihre CO₂-Emissionen und Luftschadstoffe in der Stadt reduzieren. Gleichzeitig steigt dadurch der Strombedarf deutlich, was den Ausbau erneuerbarer Erzeugung und leistungsfähiger Netze zusätzlich erforderlich macht.
Das Perspektivenpapier macht zugleich deutlich, dass die Dekarbonisierung derzeit vor allem durch einzelunternehmerische Maßnahmen vorangetrieben werden muss. Der geltende Rechtsrahmen begünstigt Eigenverbrauchslösungen, während gemeinschaftliche Modelle wirtschaftlich benachteiligt sind. Die Anrainer sehen hier dringenden Anpassungsbedarf, um Kooperationen zu erleichtern und Synergien im Hafengebiet besser nutzen zu können.
Vor diesem Hintergrund haben die beteiligten Unternehmen gemeinsam mit bremenports vereinbart, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen und zu vertiefen. In vier Themenfeldern – Vernetzung und Kommunikation, Ermittlung der finanziellen Bedarfe, regulatorische Optimierung sowie unter der Überschrift „Blick auf Erfahrungen anderer Standorte“ – sollen konkrete Projekte entwickelt und vorangetrieben werden. Insgesamt gehen die Anrainer von Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe aus, insbesondere für die Elektrifizierung der Prozesse, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Erneuerung der Wärmeversorgung. „Das alle Beteiligten hier an einem Strang ziehen macht deutlich, dass es uns im Hafen eben nicht um ein grünes Feigenblatt geht: Im Gegenteil – alle Anrainer und Unternehmen bringen sich aktiv und engagiert in diesen Prozess ein und wollen gemeinsam das Ziel der CO₂-Neutralität im Überseehafen erreichen.“, so Howe abschließend.
Weitere Informationen und das Perspektivenpapier auf der Projektseite