Im Jahr 2023 wurde das Projekt „CO₂-neutraler Überseehafen“ (kurz CNÜH) ins Leben gerufen. Ziel ist es, den stadtbremischen Überseehafen in Bremerhaven auf Klimaneutralität auszurichten. Innerhalb des Projekts arbeitet die bremenports GmbH & Co. KG für das Sondervermögen Hafen eng mit der lokalen Hafenwirtschaft, den Hafenanrainern, zusammen.
Gemeinsam entwickeln die Partner eine umfassende Dekarbonisierungsstrategie, die an das Hafenentwicklungskonzept 2035 anknüpft. Neben der strategischen Zielsetzung steht vor allem die praktische Umsetzung im Fokus: Dafür haben die Hafenanrainer mit Hilfe eines Digitalen Zwillings des Überseehafens konkrete Maßnahmen definiert und planen die Zusammenarbeit zur Reduktion der CO₂-Emissionen fortzuführen.
Aktuelle Ergebnisse im Perspektivpapier der Hafenanrainer (PDF, 1,9 MB)
Europäischer und regionaler Rahmen
Mit dem European Green Deal hat die Europäische Kommission im Dezember 2019 das Ziel formuliert, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Der Green Deal umfasst einen umfassenden Maßnahmenfahrplan für alle Wirtschaftssektoren – einschließlich des Verkehrsbereichs und damit auch der Häfen. Als zentrale Schnittstellen globaler Lieferketten sind sie aufgefordert, einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung zu leisten.
Auch das Land Bremen hat frühzeitig klimapolitische Weichen gestellt. Mit dem 2009 vom Senat beschlossenen Klimaschutz- und Energieprogramm 2020 wurden ambitionierte Ziele definiert: Eine Reduktion der CO₂-Emissionen um mindestens 40 % gegenüber 1990 bis zum Jahr 2020. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden. In der Fortschreibung und Evaluation des Programms im Jahr 2018 wurde für 2020 lediglich ein Rückgang um 16 % prognostiziert.
Neue Impulse setzte 2021 u. a. der veröffentlichte Endbericht der Enquete-Kommission mit dem ambitionierten Ziel: Klimaneutralität für das Land Bremen bis 2038.
Beitrag des Überseehafens
Der Überseehafen in Bremerhaven spielt als industrieller und logistischer Knotenpunkt eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes. Gleichzeitig ist er ein bedeutender Emissionsstandort.
Mit dem Projekt CNÜH übernimmt die Hafenwirtschaft Verantwortung und gestaltet aktiv den Transformationsprozess. Die Entwicklung einer tragfähigen Dekarbonisierungsstrategie ist dabei nicht nur ein Beitrag, um die bremischen Klimaziele zu erreichen. Es ist ein wichtiger Schritt, um die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsstärke des Hafenstandorts im europäischen Kontext zu sichern.
Ein Digitaler Zwilling des Überseehafen-Energiesystems wurde zusammen von zehn Stakeholder, bremenports, Siemens und der TU Berlin im Projekt „SHARC“ erstellt.
Mit Digitalem Zwilling zu „Null“ CO₂-Emissionen
Ein zentrales Element des Projekts CNÜH ist der Aufbau eines Digitalen Zwillings (DZ) für den Überseehafen. Dabei handelt es sich um eine digitale Abbildung des gesamten Energiesystems und der Energieflüsse im Hafengebiet.
Der Digitale Zwilling integriert sowohl aktuelle als auch prognostizierte Energieverbrauchsdaten der einzelnen Hafenanrainer. Auf dieser Datengrundlage lassen sich durch die Variation unterschiedlicher Rahmenbedingungen – etwa regulatorischer Vorgaben, technologischer Entwicklungen oder Energiepreise – verschiedene Zukunftsszenarien simulieren.
Mithilfe eines integrierten Optimierungsmodells wurden unterschiedliche Dekarbonisierungspfade berechnet und hinsichtlich ihrer Wirkung, Wirtschaftlichkeit und praktischen Umsetzbarkeit bewertet. Die Modellierung orientierte sich dabei konsequent am politischen Ziel von „Null“ CO₂-Emissionen bis 2035.
Das Ergebnis: Transformation des Energiesystems erforderlich
Die Simulationen liefern ein klares Bild: Um bis 2035 CO₂-Neutralität zu erreichen, ist eine grundlegende Transformation der heutigen Energieversorgung notwendig. Das derzeit noch stark fossil geprägte Energiesystem des Hafens muss umfassend umgebaut werden.
Der Digitale Zwilling zeigt als Zielbild ein überwiegend elektrisches Energiesystem, das auf nachhaltiger Energieerzeugung basiert.
Besonders hervorgehoben wird dabei:
Perspektivpapier der Anrainer
Die Hafenanrainer haben gemeinsam ein Perspektivenpapier verabschiedet, das den aktuellen Stand und die Hintergründe des Projekts „CO₂-neutraler Überseehafen“ dokumentiert.
Es zeigt klar und strukturiert auf, welche nächsten Schritte erforderlich sind und wie Verantwortlichkeiten zwischen privaten und öffentlichen Akteuren konkret ausgestaltet werden können, um die Dekarbonisierung wirksam umzusetzen.
Gemeinschaftliche Lösungen und regulatorische Grenzen
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war die Prüfung, inwieweit eine gemeinschaftliche Energieversorgung der Hafenanrainer einen beschleunigten Dekarbonisierungspfad ermöglichen kann.
Die Analyse zeigt jedoch: Dem Aufbau und Betrieb eines gemeinsamen Energiesystems stehen derzeit zahlreiche regulatorische Hürden entgegen. Der geltende Rechtsrahmen begünstigt vor allem die individuelle Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie, nicht die gemeinschaftliche Eigenversorgung der Hafenanrainer.
Die Folge: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen kann die Dekarbonisierung im Hafengebiet vor allem durch einzelunternehmerische Maßnahmen vorangetrieben werden.
Weitere Schritte auf dem Weg zu „Null“
Das gemeinsame Ziel bliebt klar definiert: Ein klimafreundlicher, perspektivisch CO₂-neutraler Überseehafen. Um unternehmensübergreifend Synergien zu nutzen und die Transformation strukturiert weiter voranzubringen, haben die Projektpartner vereinbart, ihre Zusammenarbeit in vier zentralen Themenfeldern weiterzuführen.
Die Zusammenarbeit unter dem gemeinsamen Ziel des klimafreundlichen, CO2-neutralen Überseehafens fortsetzen und ausbauen.
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