Unverzichtbarer Teil unserer Häfen

Das Team der Baggerei bei bremenports besteht aus einer aktiven Gruppe von derzeit 43 seemännischen Fachkräften, die täglich auf unseren Schiffen der schwimmenden Flotte von derzeit 15 Fahrzeugen arbeiten. Zu dieser Flotte gehören Großgeräte wie der Eimerkettenbagger „Bremerhaven“, der Saugspüler „Weser“, Wasserinjektionsgeräte, Vermessungsschiffe sowie Klapp- und Spülschuten. Der Betrieb dieser Spezialfahrzeuge ist abhängig von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit ihrem Fachwissen und Einsatz maßgeblich dazu beitragen, die erforderlichen Wassertiefen in den Bremischen Häfen aufrechtzuerhalten. Ihre Arbeit ist von entscheidender Bedeutung für den reibungslosen Ablauf des Hafenbetriebs und die Schiffbarkeit der Hafengewässer. Die Planung und Koordination dieser komplexen Aktivitäten erfolgt in enger Abstimmung mit dem Team für Vermessung und dem Team Baggergutmanagement. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen, um die Arbeit und den Einsatz dieser Kolleginnen und Kollegen gebührend zu würdigen.

Roland Hoffmann ist seit 2013 Teamleiter der Baggerei. Bereits mit 15 Jahren war er in der Hochseefischerei tätig, bevor er einige andere berufliche Stationen durchlief. 2007 heuerte er schließlich als Schiffsführer bei bremenports an.

Roland, Du bist verantwortlich für das Team Baggerei und damit für die Einsatzplanung von mehr als 40 Kolleginnen und Kollegen auf aktuell 15 Fahrzeugen zuständig. Wie kann man sich das vorstellen? Welche Berufsbilder gibt es in Deinem Team, und was muss man bei der Planung im Alltag der Baggerei alles berücksichtigen?

Grundsätzlich geht es darum, dass die Schiffe mit nautischem Personal besetzt werden und eine möglichst effektive Einsatzplanung erfolgt. Gesetzliche Grundlage für die Besetzung der Schiffe ist die Binnenschifffahrtspersonalverordnung und die jeweiligen Besatzungszeu­­gnisse der Schiffe. Gefordert werden qualifizierte Schiffsführer, Bootsmänner, Matrosen und Maschinisten. Für die Personaleinsatzplanung ist Patrick Neubauer federführend zuständig. Meine Aufgabe ist die Einsatzplanung der Schiffe, das heißt, tagesaktuell zu bestimmen, wo welche Schiffe ihre Arbeit erledigen sollen. Hierzu zählen die aktuellen Aufträge für die Woche, teilweise Tagesgeschäfte, aber auch unvorhergesehene Aufgaben. Das Baggereijahresprogramm wird zu Beginn des Jahres in einer ausführlichen Besprechung mit dem Hafenmeister (Hansestadt Bremisches Hafenamt) erstellt, wobei die Bedarfe sorgfältig berücksichtigt werden. In diesem Rahmen werden auch größere Baggerkampagnen geplant und festgelegt, welche Arbeiten intern durchgeführt werden können und welche an externe Nassbaggerunternehmen vergeben werden müssen. Die Spüleinsätze unserer Wasserinjektionsschiffe und der Einsatz unseres Eimerkettenbaggers werden kurz bzw. mittelfristig geplant. Die Kommunikation zwischen Baggereibüro und den Schiffsbesatzungen wird über die EDV auf den Schiffen, telefonisch und klassisch über Teamrunden sowie Baubesprechungen gewährleistet.

Ihr habt eine Jahresplanung, kommen darüber hinaus unvorhergesehene Aufträge hinzu?

Ja, und das sind nicht wenige. Es kommen immer wieder verschiedene Anfragen, beispielsweise von den Tauchern oder von der Hafenunterhaltung. Auch hier sind wir stetig im Austausch mit unseren Kollegen vom Bauhof. Auch Hafenbetreiber aus dem angrenzenden Weserrevier zwischen Bremen und Bremerhaven fragen immer wieder unsere Leistungen ab (Drittgeschäft). Unser Auftragsbuch ist immer "im Flow", und wir müssen flexibel auf Veränderungen reagieren, insbesondere wetter- und personalabhängige. 

Da ist eine Menge gute Kommunikation gefragt, aber am Ende muss auch die Technik laufen?

Absolut. Die Schiffe müssen stets betriebsbereit sein. Sven Bürgel ist für den technischen Part und die damit verbundene Planung von jährlichen Werftzeiten bis hin zu kleineren bis mittelgroßen Reparaturen im laufenden Betrieb zuständig. Die Schiffe sind Arbeitsgeräte, teils nahezu 40 Jahre alt und mit diversen technischen Geräten ausgestattet. Daher ist ein erheblicher Aufwand notwendig, um alles am Laufen zu halten.

Uwe Strohsal
Frank Haas
Cetin Gök und Frank Haas

Jedes Gerät ist wahrscheinlich anders und erfordert unterschiedliches Geschick. Wie lange dauert die Einarbeitung?

Wir möchten gewährleisten, dass jeder Matrose, Maschinist oder Schiffsführer auf jedem Schiff eingesetzt werden kann. Das erfordert eine umfassende fachliche Einarbeitung, da sich jedes Schiff und Gerät unterscheidet. Jeder Mitarbeiter muss für jedes unserer einzigartigen Schiffe eine entsprechende Unterweisung erhalten. Bei der zeitlichen Einarbeitung neuer Kollegen werden die bisherige Berufserfahrung und die unterschiedliche Komplexität der Schiffe berücksichtigt.

Zusammenhalt und Zukunftsausblick Was macht das Team Baggerei besonders und einzigartig? Wo liegen Eure Stärken? Und was tut Ihr, damit alle gerne zur Arbeit kommen? 

Das Team Baggerei ist eine vielfältig aufgestellte Mannschaft, bestehend aus erfahrenen Seeleuten mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Nassbaggerei und jungen, motivierten Mitarbeitern. Die Aufgaben auf den Schiffen ist im Wesentlichen durch die seemännischen Tätigkeiten geprägt, die Liebe zum Meer und zur Schifffahrt allgemein. Natürlich sollte auch immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel sein! (lacht). In stressigen Situationen muss man sich als Schiffsbesatzung aufeinander verlassen können. Der sprachliche Umgang miteinander auf den Schiffen ist oft von einem rauen, aber herzlichen Ton geprägt. Respekt ist für mich dabei das oberste Gebot, und Konflikte sollten offen und ehrlich angegangen werden. Wir legen großen Wert auf eine gute Kommunikation und regelmäßigen Austausch, um ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen. In den letzten Jahren haben wir mit einer hohen Fluktuation in der Mannschaft zu kämpfen gehabt. Durch externe Workshops und kontinuierliche Teamrunden haben wir jedoch Vereinbarungen getroffen und Maßnahmen ergriffen, um die Zufriedenheit und Stabilität im Team zu verbessern. Diese Bemühungen sind ein fortlaufender Prozess, der Zeit und Engagement erfordert, aber wir sind zuversichtlich, dass sie langfristig Früchte tragen werden.

Euer Team zeichnet sich durch eine starke Bindung zu unserem Hafen aus, woran liegt das?

Jeder einzelne Mitarbeiter sieht den klaren Sinn und Auftrag seiner Arbeit und weiß, dass wir ohne ausreichende Wassertiefen die Schifffahrt beeinträchtigen würden. Die enge Vertrautheit mit unserem Hafen, seine ständigen Veränderungen und das Wissen, jeden Winkel der schiffbaren Bereiche zu kennen und wie der Hafenbetrieb tagtäglich funktioniert, verbindet uns auch mit allen anderen, die im Hafen arbeiten. Wir verbringen immerhin einen großen Teil unserer Lebenszeit an diesem dynamischen Knotenpunkt-Hafen. Außerdem sind wir stolz darauf, jungen und ambitionierten Kollegen die Möglichkeit zu bieten, sich beruflich bei uns in der Baggerei weiterzuentwickeln. Durch Fortbildungsprogramme haben in den vergangenen neun Jahren bereits 6 Mitarbeiter (Matrosen) das Schiffsführerpatent erworben, und wir planen, auch eine Ausbildung zum/r Binnenschiffer/in anzubieten. Zusätzlich ermöglichen wir Quereinsteigern aus anderen Bereichen, sich weiterzuentwickeln und bieten somit Karrieremöglichkeiten an Bord.

Welche Erwartungen und Wünsche hast Du für die Zukunft des Teams Baggerei und deren Rolle für die bremischen Häfen?

Für die Zukunft des Teams Baggerei wünsche ich mir eine noch stärkere Geschlossenheit und ein offenes Miteinander. Ich bin überzeugt, dass wir als Team noch ungenutztes Potenzial haben und durch gemeinsame Anstrengungen viel erreichen können. Mit dem Beschluss zur Erneuerung unserer Flotte und den verschiedenen Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung bin ich zuversichtlich, dass die Baggerei auch weiterhin eine Schlüsselrolle in den Häfen einnehmen wird und alle auch in Zukunft gerne zur Arbeit kommen. Denn aus meiner Sicht haben wir hier mit der Arbeit im Hafen einen Traumjob für jeden, der gerne „jeden“ Tag an Bord eines Schiffes gehen möchte, um sich frische Seeluft um die Nase weh zu lassen und trotzdem nach  einem Arbeitstag und am Wochenende die Zeit mit Freunden und der Familie verbringen kann.

Danke für das Gespräch.

Tarik Alshikh
Cetin Gök
Frank Haas

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