Leschaco setzt auf Bremen für nachhaltige Gefahrgutlogistik
Im Oktober hat die Leschaco Group im Industriepark in Bremen-Oslebshausen ein neues Multi-Purpose Logistikzentrum in Betrieb genommen. Auf mehr als 20.000 Quadratmetern können Güter aller Art gelagert und umgeschlagen werden, es gibt Platz für insgesamt mehr als 12.000 Paletten. Rund 50 Logistikerinnen und Logistiker arbeiten dort. Ausgelegt ist die neue Immobilie vor allem für Gefahrgut, in den Bereichen LCL (Less-than-Container-Load) und Kontraktlogistik. Sie entspricht höchsten Standards für Sicherheit und Nachhaltigkeit. Wer näher hinschaut, sieht: Hier wurde mit Haltung, Weitblick und Liebe fürs Detail gearbeitet. Und mit viel Herzblut.
Gemeinsam zum Leuchtturmprojekt
Klaus Hillmer ist als Head of Global Real Estate & Construction von Beginn an Projektleiter für das neue Multi-Purpose-Logistikzentrum in Bremen. Im Jahr 2019 fiel die Entscheidung für den Standort. „Die Inhaberschaft hat mich gebeten, das zu übernehmen. Vergangenen Oktober konnten wir ordnungsgemäß abliefern. Das ist ein großes Stück Arbeit gewesen – und viel Papierkram“, sagt er. Hillmer ist dankbar, dass die Inhaber des Familienunternehmens alle Phasen mitgegangen sind – durch Höhen und Tiefen. „Es ist ein Leuchtturmprojekt“, sagt er stolz.
Das Gebäude ist mit dem DGNB Gold Standard ausgezeichnet. Dafür wird die Gesamtperformance eines Gebäudes in mehreren Bereichen bewertet: ökologische Qualität, ökonomische Qualität, soziokulturelle und funktionale Qualität, technische Qualität, Prozessqualität und Standortqualität. Um das zu erreichen, sind eine Menge Details zu berücksichtigen, bis hin zur Größe der Schmutzfangmatten im Eingangsbereich.
Gute Gründe für Bremen
Für Bremen sprach nicht nur die günstige Lage zwischen Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven. „Von hier aus sind alle drei deutschen Häfen in 70 bis 80 Minuten erreichbar“, sagt Kai Chladek, Head of Global Product Management LCL. „Von Hamburg aus ist man da weniger flexibel.“ Auch an das Hinterland und das Stückgutnetz ist Bremen gut angebunden – Vorteile gegenüber Wilhelmshaven.
Daneben war die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte ein Kriterium, ebenso wie die Infrastruktur. So gibt es in Bremen die meisten Leercontainer-Depots der großen Reedereien. Wichtig war außerdem, dass der Standort für die Mitarbeitenden gut erreichbar ist, auch mit dem ÖPNV, per Fahrrad oder Mofa.
Im Unternehmensbereich LCL ist Bremen mit rund 6.000 Sammelcontainer pro Jahr für den Export der wichtigste Standort für Leschaco. „Es war ein Meilenstein für uns, diese Anlage in Betrieb nehmen zu können“, betont Kai Chladek. „Am alten Standort, wo die Wohngebiete immer näher rücken, wären Erweiterungen nicht mehr sinnvoll gewesen.“
Einzigartige Konzepte für freien Materialfluss
Das Gebäude besteht aus zwei Hallenschiffen mit einer Brandüberschlagsmauer in der Mitte, aufgeteilt in sechs Abschnitte, da der Raumkörper aus Brandschutzgründen begrenzt sein muss. Einzigartig sind die zwölf Sonderläger, die außen an die Halle angeschlossen, aber nur von innen zugänglich sind. „Wie ein Safe ist das, wir haben diese Lösung selbst entwickelt“, berichtet Hillmer. „Man kann diese Sonderläger auch innen einbauen, dann beeinträchtigen sie allerdings den Materialfluss. Darum haben wir in der Halle auch keine Stützen oder Pfeiler.“
Auch das smarte Konzept hinter den 27 Docks sorgt für freien Fluss: Vor dem Gebäude werden die Lkws über Tiefhöfe mit beweglichen Rampen entladen, hinten werden die Container zu ebener Erde gepackt. Die Seite ist Wind und Wetter abgewandt, zusätzlichen Schutz bietet das acht Meter tiefe Schleppdach. „So können die Kollegen so sauber und trocken wie möglich arbeiten“, sagt Hillmer. Ein Reach Stacker bewegt die Container auf dem Gelände.
Vorprodukte für Güter des täglichen Bedarfs
Über den Standort laufen Gefahrgüter fast aller Klassen, auch Lithium-Ionen-Batterien. „Nur explosive und radioaktive Stoffe wickeln wir hier nicht ab. Auch, weil es unseren Unternehmensgrundsätzen widerspricht“, sagt Frank Volkmann, Leiter des LCC Gateway, ein Competence Center aus LCL-Experten. Das Logistikzentrum bedient das Who-is-Who der deutschen Großchemie. „Wir richten uns strategisch auf die Entwicklung unserer Kundenbranchen aus“, so Volkmann.
Bei den Chemikalien, die vorwiegend gelagert werden, handelt es sich um Pasten, Flüssigkeiten, Granulate oder Pulver in verschiedensten Verpackungen wie Big Bags, Fässern oder Kanistern, alles Vorprodukte für Güter des täglichen Bedarfs. Vieles ist für die Automobilproduktion bestimmt – für Kunststoffteile, Gummi, Lacke, Farben, Öle und mehr. Aber auch Produkte für die Beschichtung von Outdoor-Jacken sind dabei, Textilfarben oder Aromen und Essenzen, zum Beispiel für Parfüme, Senf oder Wasabi.
Flexible Kontraktlogistik
Zu den Leistungen gehören auch das Auf- oder Umpacken von Paletten und wertschöpfende Tätigkeiten. „Und natürlich können wir hier auch andere Güter lagern. Zurzeit sind das beispielsweise Maschinen- und Flugzeugteile“, berichtet Volkmann. „Wir können Stückgut annehmen und dafür passende Verpackungen bauen, oder Verwiegungen nach SOLAS VGM vornehmen, unser Reach Stacker verfügt über eine geeignete Waage.“
Der Kontraktlogistikbereich ist erst vor einigen Wochen live gegangen, erste Kunden sind an Bord. Hier ist noch Platz. „Das belegt unser Vertrauen in diesen Standort“, sagt Sebastan Häbler, verantwortlich für die globale Kontraktlogistik. „Wir sind überzeugt, unseren Kunden hier ein sehr gutes Produkt zu bieten, so dass sich der Platz bald füllen wird.“ Da es sich um ein Mehrkundenlager handelt, ist Automatisierung kaum möglich. „Wir müssen so flexibel wie möglich verschiedenste Gebinde und Palettengrößen lagern können“, so Häbler.
Der Duft nach Zitronen bedeutet Alarm
Im ausgefeilten Sicherheitskonzept ist die CO2-Löschanlage das Herzstück und mit 120 Tonnen Kapazität die größte ihrer Art in Europa. Sie entspricht allen regulatorischen Anforderungen oder nimmt sie sogar vorweg. Statisch und technisch war der Einbau anspruchsvoll, allein wegen der Unmengen von Rohren, die das CO2 in die einzelnen Abschnitte leiten.
Über Rauchgarauf geeinigt, keine Reinigungsmittel mit Zitronenduft mehr zu verwenden“, schmunzelt Klaus Hillmer. Nach dem Auslösen bleiben in den Sonderlägern 30 Sekunden, in der Halle an sich 40 Sekunden Zeit, um das Gebäude zu verlassen. Im gesamten Hallentrakt ist keine Fluchttür weiter als 30 Meter entfernt, egal, wo man sich befindet. Der entsprechende Bereich wird dann mit CO2 geflutet und so das Feuer erstickt – vor allem bei brennbaren Flüssigkeiten der einzige Weg.
„Wir fühlen uns schon heimisch“
Für den Umzug vom alten Standort in der Überseestadt in das neue Logistikzentrum galt es, 2.500 Paletten des Bestandsgeschäfts zu transferieren – und den 72 Tonnen schwere Reach Stacker. Da der schon aufgrund seiner Dimensionen auf öffentlichen Straßen nicht fahren kann, wurde er demontiert, verladen und am neuen Standort wieder remontiert – allein das dauerte dreieinhalb Tage. „Wir hatten insgesamt eine Woche gut zu tun, aber damit haben wir auch gerechnet. Der Umzug und der Einstieg hier am neuen Standort haben ziemlich reibungslos geklappt“, sagt Frank Volkmann zufrieden. Auch das Verhältnis zu benachbarten Unternehmen ist gut, ebenso wie zu Feuerwehr, Gewerbeaufsicht und den Behörden. „Wir fühlen uns schon heimisch“, so Hillmer. Und nicht zuletzt wirkt sich die neue Immobilie positiv auf die Motivation der Mitarbeitenden aus.
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