Spediteure gehen neue Wege

Verjüngungskur für einen altehrwürdigen Verein

Thorsten Dornia ist seit April 2023 Vorsitzender des Vereins Bremer Spediteure

Seit April 2023 ist Thorsten Dornia, Geschäftsführer des Bremer Logistikdienstleisters BRELOG, der Vorstandsvorsitzende des Vereins Bremer Spediteure (VBSp). Sein Auftrag: den Verein behutsam neu aufzustellen und auch für jüngere Menschen interessant zu machen. Seit 2024 ist er zudem Mitglied des dreiköpfigen Präsidiums des DSLV. Was hat sich im VBSp inzwischen verändert?

„Als mein Vorgänger Oliver Oestreich mich einlud, um meine Zukunft beim VBSp zu besprechen, dachte ich, es ginge um die Position des stellvertretenden Vorsitzenden“, erinnert sich Dornia. „Dass ich den Vorsitz übernehmen sollte, hat mich dann doch überrascht.“ Aber er hat angenommen: „Ich habe gesagt, ich mach das – aber eben anders.“ Und genau das war schließlich das Ziel.

Generationenwechsel eingeleitet

Seit seinem Start hat sich einiges getan. Im Vorstand wurde ein Generationenwechsel eingeleitet, der sich mit dem Ausscheiden des stellvertretenden Vorsitzenden Holger Schulz von EKB Container Logistik im kommenden Jahr noch fortsetzen wird. „Außerdem haben wir jetzt zwei Frauen an Bord, was ich sehr gut finde“, berichtet Dornia. Die Neubesetzung der Position des Geschäftsführers Robert Völkl, der im kommenden Jahr in den Ruhestand geht, wird den gleichen Prinzipien folgen.

Der Vorstand des Vereins Bremer Spediteure

Thorsten Dornia, Vorsitzender, BRELOG GmbH

Holger Schulz, stv. Vorsitzender, EKB Container Logistik GmbH & Co. KG

Ole Dammann, LS Cargo Logistics GmbH

Nils Fahrenholz, Lexzau, Scharbau GmbH & Co. KG

Philip W. Herwig, Röhlig Logistics GmbH & Co. KG

Sylvia Meyer-Nesslage, Carl Ungewitter Trinidad Lake Asphalt GmbH & Co. KG

Arne Müller, Terratrans Internationale Spedition GmbH

Heike Nickel, reimer logistics GmbH & Co. KG

Claas Röttger, Kühne + Nagel (AG & Co.) KG)

Vor eineinhalb Jahren wurde das Future Forum gegründet, um eine bessere Verbindung zu jungen Menschen herzustellen. Das neue Gremium vereint rund 20 Führungskräfte im Alter von Ende 20 bis Mitte 30, die sich regelmäßig mit Mitgliedern des Vorstands austauschen. „Am Ende kann das auch ein Inkubator für neue Vorstandsmitglieder sein.“ Auf der Agenda stehen zunächst die Themen Social Media und Digitalisierung, Nachwuchsgewinnung sowie Events und Networking. 

Menschen zusammenbringen – on- und offline

„Das Future Forum hat schon viel erreicht, unsere LinkedIn-Seite hat zum Beispiel inzwischen mehr Follower als die des Vereins der Hamburger Spediteure“, freut sich Dornia. „Wir Vorstandsmitglieder unterstützen dabei, indem wir Fotos und Infos über besondere Anlässe wie Veranstaltungsbesuche, Reisen oder Treffen mit Menschen aus der Hafen- und Speditionslandschaft beisteuern.“

Thorsten Dornia mit den Sprechern des Future Forums Julia Glasmacher und Yannic Schreiber
Mit mehr als 200 Gästen war das Sommerfest 2025 des Vereins Bremer Spediteure ein voller Erfolg.

Ein neues Event ist das Sommerfest, das kürzlich zum zweiten Mal stattgefunden hat. „Früher hätte man gesagt, man trifft sich in kleinem Kreis zum gesetzten Dinner. Heute machen wir das anders.“ Auf dem Gelände der EKB wurden Biertischgarnituren aufgestellt, es gab einen Show-Truck, Bratwurst vom Grill, dazu ein Bier oder einen Wein – ganz entspannt. Das kommt gut an: Beim ersten Mal waren es schon 140 Teilnehmende, diesmal sogar mehr als 200.

Auch bei den Mitgliederversammlungen nehmen inzwischen wieder rund 200 Personen teil. „Wir haben ausdrücklich dazu motiviert, junge Menschen aus den Unternehmen mitzubringen, und darauf hingewiesen, dass das ausdrücklich keine elitäre Veranstaltung ist.“ So stellte sich Dornia beim ersten Mal – mit einigem Lampenfieber – im sportlichen Anzug und weißen Sneakern auf die Bühne. „Für meinen „Mut“ habe ich anschließend Komplimente geerntet“, sagt er.

Weniger Konkurrenzdenken, mehr Kooperation

Als nächstes wird das Future Forum die Nachwuchsgewinnung angehen. Abseits von Wettbewerbsdenken möchte Dornia die Mitglieder des Vereins motivieren, die Jobmöglichkeiten der Branche bekannter zu machen, vor allem im administrativen Bereich. „Wir wollen als VBSp an die Schulen, ganz neutral, abseits einzelner Unternehmen. Da brauche ich mich nicht hinzustellen, das machen besser die jungen Leute“, so der 49-jährige. „Zusammen mit Hamburg haben wir eine so große Bedeutung im Welthandel, das muss eigentlich jeder, der hier zur Schule geht, auch erfahren.“

Trotz allem sportlichen Ehrgeiz in Social Media – eines von Dornias großen Zielen ist mehr Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der norddeutschen Seehäfen. Schließlich sind Logistik- und Speditionsleistungen aus Norddeutschland ein Wertebegriff in der Welt, den es zu erhalten und weiter zu verbreiten gilt. „Gemeinsam sind wir lauter. Je mehr, desto besser.“ Darum trifft man sich inzwischen regelmäßig, zum Beispiel eben mit den Hamburger Spediteuren. „Es ist gut, wenn alle zusammenkommen, um diese Werte zu repräsentieren. Insgesamt wird jetzt bei uns viel mehr genetzwerkt.“

Norddeutsche Interessen vertreten

Im Vordergrund stehen natürlich nach wie vor Qualität, Kompetenz und der Einsatz für die Sache, nämlich die Branche. „Darum arbeiten wir jetzt viel enger mit anderen Organisationen zusammen, wie der BHV oder den Hamburger Spediteuren“, so Dornia. In naher Zukunft ist beispielsweise ein gemeinsames Treffen mit dem Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus Christoph Ploß geplant. „Inhaltlich tauschen wir uns eng aus, am Ende stehen wir schließlich gemeinsam für die Seehafenwirtschaft in Deutschland, da wollen wir mit einer Stimme sprechen.“

Auch die Vernetzung mit dem DSLV hat er intensiviert, zum einen, um regional besser zu informieren, was auf Bundesebene eigentlich passiert. Zum anderen, um die Interessen der Landesverbände in Berlin besser zu vertreten. „Demnächst steht ein Treffen mit dem Bundesverkehrsminister an, da nehme ich zum Beispiel in Abstimmung mit meinen Vorstandskollegen drei Bremer Anliegen mit in das Gespräch. Und ich habe auch bei den Hamburgern drei Themen abgefragt, die sie angesprochen sehen möchten“, berichtet er. 

Amtsübernahme beim DSLV (v.l.): DSLV-Vizepräsident Dr. Micha Lege, DSLV-Präsidiumsmitglied Thorsten Dornia, DSLV-Präsident Axel Plaß, Ehrenpräsident Mathias Krage (Bild: DSLV)
Thorsten Dornia am Sitz von BRELOG, wo er als Geschäftsführer tätig ist

Inspiration für den Arbeitsalltag

Für seine hautberufliche Tätigkeit im Familienunternehmen BRELOG nimmt Dornia Denkanstöße und Inspiration aus dem kontinuierlichen Austausch mit, den er in seinen Vorstandspositionen hat. Immer professionell und im Rahmen der Compliance. „Da sind wir ganz Bremer. Hanseaten.“ Nach rund 20 Jahren bei Kühne und Nagel bildet er seit 2017 die Geschäftsführung von BRELOG, zusammen mit seiner Frau und seinem Schwiegervater, dem Mitgründer. Die beiden teilen sich die Position. Und das funktioniert sehr gut, kollegial, reibungslos und harmonisch. „Das kann sicher nicht jedes Familienunternehmen von sich sagen. Ich bin dankbar, dass es bei uns so gut läuft.“

Meet and Greet bei der ENVOCONNECT

Wer Thorsten Dornia einmal persönlich treffen möchte, hat die Gelegenheit am 3. September bei der ENVOCONNECT in der Bremer Energieleitzentrale. Dort ist er Teil der Panel-Diskussion im Themenblock „Strategie und Innovation – Ganzheitlich denken, nachhaltig handeln“ ab 14 Uhr.






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