Transformation braucht mehr als neue Technologien

Richard Betten über die praktische Umsetzung der Dekarbonisierung, die Voraussetzungen für erfolgreiche Transformation und Entscheidungen mit Wirkung

Wie gelingt es, große Klimaziele in einem laufenden Hafenbetrieb tatsächlich umzusetzen? Und welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden, damit die Infrastruktur von morgen funktioniert?

Richard Betten richtet seinen Blick auf die praktische Seite der Transformation: auf Energie, Netze, Infrastruktur und die Herausforderung, neue Technologien in bestehende Systeme zu integrieren, ohne den laufenden Betrieb auszubremsen. Als CEO des North Sea Terminal Bremerhaven verantwortet er einen der größten Containerterminals Deutschlands und erlebt den operativen, organisatorischen und technologischen Wandel unmittelbar in der Praxis. Zuvor war er 17 Jahre in verschiedenen operativen Funktionen für APM Terminals tätig.

Im Rahmen der ENVOCONNECT 2026 beantwortet er drei Fragen zu seinem Thema, zur Bedeutung des gemeinsamen Austauschs und zu den Entscheidungen, die die Zukunft der Branche langfristig prägen werden.

Worüber werden Sie auf der ENVOCONNECT sprechen?

Wie dekarbonisiert man ein Containerterminal, das 24/7 läuft, ohne den Betrieb auszubremsen? Das zeigen wir am North Sea Terminal Bremerhaven. APM Terminals und EUROGATE investieren rund 1 Milliarde Euro, um das Terminal vollständig zu elektrifizieren, auf erneuerbaren Strom umzustellen und gleichzeitig die Kapazität von 3 auf 4 Millionen TEU zu erhöhen. Im Mittelpunkt steht dabei die Umsetzung: Strom, Netzanschluss und neue Technik müssen in einen laufenden Betrieb integriert werden. Das ist eine komplexe Aufgabe, bei der viele Faktoren zusammenspielen. Der für mich entscheidende Schritt ist deshalb: aus einem Klimaziel ein funktionierendes Terminal zu machen!

Wenn Sie die ENVOCONNECT in einem Satz beschreiben müssten: Wie würden Sie jemanden überzeugen, erstmals teilzunehmen?

Wenn man wissen will, wie die Transformation von Häfen, Schifffahrt und Logistik funktioniert, sollte man hier dabei sein. Die entscheidenden Fragen lassen sich nicht im Alleingang lösen. Wir leben in einem wirtschaftlichen Ökosystem: Für Elektrifizierung braucht es Netze und Energie, für grüne Treibstoffe Reedereien und Kunden und für neue Infrastruktur Politik und Verwaltung. Die ENVOCONNECT bringt diese Akteure zusammen und schafft den Raum, in dem aus Ideen konkrete Projekte entstehen

Wenn Sie heute eine Entscheidung treffen müssten, die die Branche in zehn Jahren beeinflusst: Welche wäre das – und warum?

Ich würde heute die Energieinfrastruktur sichern. Denn die Frage ist nicht, ob wir 2035 elektrische Geräte haben werden. Die Frage ist, ob dann genug Strom und Netzkapazität am Terminal ankommen. Ein elektrisches Fahrzeug kann man in Monaten bestellen. Neue Netzkapazitäten, Strommengen und Genehmigungen brauchen fünf bis zehn Jahre. Wer heute nicht plant, steht 2035 möglicherweise mit elektrischer Technik da, aber ohne den Strom dafür. Dasselbe gilt für die Außenweservertiefung: Ohne die notwendige Wassertiefe kann auch das modernste Terminal nicht sein volles Potenzial nutzen. Transformation bedeutet deshalb nicht nur, neue Technologien einzusetzen. Sie bedeutet auch, heute die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diese Technologien morgen funktionieren können.

 

Richard Betten

Seit Mai 2025 ist Richard Betten CEO des North Sea Terminal Bremerhaven und verantwortet den Betrieb des Terminals mit rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zuvor war er 17 Jahre in operativen Funktionen für den niederländischen Terminalbetreiber APM Terminals tätig, zuletzt als Chief Operating Officer für die zentralen Hub-Terminals. Bei der ENVOCONNECT 2026 spricht Richard Betten über die praktische Umsetzung der Transformation und darüber, wie sich Dekarbonisierung, Infrastruktur und laufender Terminalbetrieb miteinander verbinden lassen..

Mehr erfahren
 

ENVOCONNECT 

Der Ort, an dem die gesamte Port-Community verhandelt, was als Nächstes passiert.

Dabei sein: 30. September und 01. Oktober 2026 in der Energieleitzentrale Bremen

Jetzt mehr erfahren

Diesen Artikel teilen