Panel-Diskussion auf der Envoconnect 2025

Wer übernimmt Verantwortung, wenn es keine Garantien mehr gibt?

Unsicherheit ist kein Grund für Stillstand

Die Welt wird komplexer, Lieferketten fragiler, geopolitische Rahmenbedingungen unberechenbarer. Für Unternehmen bedeutet das: Entscheidungen müssen getroffen werden, obwohl verlässliche Prognosen zunehmend schwieriger werden. Genau hier setzt die ENVOCONNECT 2026 an. In der Panel-Diskussion „Wer übernimmt Verantwortung, wenn es keine Garantien mehr gibt?“ treffen unterschiedliche Perspektiven aus Hafenwirtschaft, Logistik, Industrie und Beratung aufeinander. Gemeinsam diskutieren Kay Simon, Robert Howe, Thoralf Krause, Christine Hein und Alexander Geisler darüber, wie Unternehmen in Zeiten globaler Unsicherheit handlungsfähig bleiben und Verantwortung übernehmen können.

Die fünf Panelteilnehmenden bringen dafür unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven mit. Zwei von ihnen geben bereits vor der ENVOCONNECT einen kleinen Einblick in ihre Gedanken und Themen. So viel sei vorweggenommen: Beide plädieren dafür, Unsicherheit nicht als Grund zum Stillstand zu verstehen.

Portrait Thoralf Krause
Thoralf Krause

Thoralf Krause ist Global Head of Logistics bei Drees & Sommer SE. In dieser Funktion bringt er seine Perspektive auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Logistik in den Austausch ein. Beim Panel „Wer übernimmt Verantwortung, wenn es keine Garantien mehr gibt?“ diskutiert er darüber, wie Unternehmen in Zeiten globaler Unsicherheit Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.

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Thoralf Krause: Die Zukunft entscheidet sich an den Schnittstellen

Einer von ihnen ist Thoralf Krause, Global Head of Logistics bei Drees & Sommer SE. Für ihn liegen entscheidende Antworten an den Schnittstellen: zwischen Verkehrsträgern, Infrastruktur, Energie und Warenströmen.

Worüber werden Sie auf der ENVOCONNECT sprechen?

Ich werde darüber sprechen, wie sich Häfen und intermodale Terminals zu den entscheidenden Knotenpunkten resilienter, nachhaltiger und digital vernetzter Lieferketten entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Dekarbonisierung, Automatisierung, neue Güterströme sowie die intelligente Verknüpfung von Straße, Schiene, Wasser und Luft. 

Ihr persönlicher Aufruf an die Teilnehmenden in einem Satz?

Nutzen Sie die ENVOCONNECT, um neue Perspektiven zu gewinnen, starke Partnerschaften aufzubauen und gemeinsam Antworten auf die großen Transformationsaufgaben von Hafen, Logistik und Infrastruktur zu entwickeln.

Wenn Sie heute eine Entscheidung treffen müssten, die die Branche in zehn Jahren beeinflusst: Welche wäre das – und warum?

Ich würde den beschleunigten Ausbau intermodaler Korridore und moderner Terminalinfrastrukturen in Europa priorisieren. Die Verknüpfung von Wasser, Schiene und Straße ist der Schlüssel für resiliente Lieferketten, die Dekarbonisierung des Güterverkehrs und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.

 

Kay Simon: Abwarten ist keine Strategie

Auch Kay Simon, Independent Management Consultant bei #createyourfuture, richtet den Blick auf die Frage, wie Unternehmen mit Unsicherheit umgehen können. 

Worüber werden Sie auf der ENVOCONNECT sprechen?

Ich werde darüber sprechen, wie geopolitische Konflikte, neue Handelsbarrieren und eine zunehmend fragmentierte Weltordnung die globalen Lieferketten verändern. Dabei geht es um die Frage, wie Unternehmen trotz wachsender Unsicherheit handlungsfähig bleiben und gleichzeitig die notwendige nachhaltige Transformation vorantreiben können.

Warum ist dieses Thema gerade jetzt für die maritime Wirtschaft und Logistik besonders relevant?

Die maritime Wirtschaft ist das Rückgrat des Welthandels und spürt geopolitische Veränderungen besonders früh und unmittelbar. Handelskonflikte, neue Zölle, gestörte Transportwege und steigender Kostendruck stellen bisherige Geschäftsmodelle infrage.

Gleichzeitig bleiben Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit zentrale Aufgaben. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie können Unternehmen Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit miteinander verbinden, statt diese Ziele gegeneinander auszuspielen?

Welche zentrale Erkenntnis oder Botschaft möchten Sie den Teilnehmenden mitgeben?

Unsicherheit darf nicht zum Stillstand führen – auch nicht bei der Nachhaltigkeit. Wir können die globale Entwicklung nicht kontrollieren, aber wir können entscheiden, wie wir auf sie reagieren. Wer jetzt Lieferketten resilienter gestaltet, Abhängigkeiten reduziert und Nachhaltigkeit konsequent mit Wirtschaftlichkeit verbindet, schafft die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Abwarten ist keine Strategie.

 

Portrait Kay Simon
Kay Simon

Kay Simon ist seit 2023 freiberuflicher Unternehmensberater für Strategie, Supply Chain Management und Nachhaltigkeit. Zuvor war er in strategischen und operativen Führungspositionen in Logistik und Industrie tätig. Heute ist er zudem Dozent an der Kühne Logistics University und der Frankfurt University of Applied Sciences.

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Portrait Oliver Errichhiello
Prof. Dr. Oliver Errichiello 

Prof. Dr. Oliver Errichiello ist Markensoziologe, -berater und Inhaber der weltweit ersten Professur für Markensoziologie an der Hochschule Mittweida. In über 20 Jahren Beratungstätigkeit hat er mehr als 200 Unternehmen bei Markenstrategie und Positionierung begleitet. 2025 gründete er das „Institut für Markensoziologie“. Zudem ist er Autor von 25 Fachbüchern und gefragter Gesprächspartner für ARD, ZDF und Deutschlandfunk.

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Ein anderer Blick auf den Wandel

Neben der Panel-Diskussion setzt die ENVOCONNECT bewusst noch einen weiteren Impuls aus einer anderen Perspektive. Prof. Dr. Oliver Errichiello nimmt in seiner Keynote „Ein inszenierter Wandel?“ vielmehr die übergeordnete Frage in den Blick, wie Unternehmen heute über Veränderung, Haltung und Verantwortung kommunizieren.

Damit knüpft sein Beitrag an die Themen des Panels an, erweitert die Diskussion aber um eine entscheidende Dimension: Was passiert, wenn Haltung zur Behauptung wird? Und wie glaubwürdig ist Veränderung, wenn sie zwar kommuniziert, aber nicht durch die tatsächliche Leistung eines Unternehmens getragen wird?

Worüber werden Sie auf der ENVOCONNECT sprechen?

Über Haltung und Haltungslosigkeit. Purpose oder Haltung war einmal ein Versprechen … heute ist er häufig eine Behauptung, die sich von der eigenen Leistung gelöst hat und deshalb an Resonanz und vor allem Glaubwürdigkeit verliert. Ich zeichne nach, woher diese Idee kommt, wo ihre Widersprüche liegen und plädiere dafür, wieder mit Selbstbewusstsein über das zu sprechen, was Unternehmen tagtäglich Gutes leisten. Denn: Leistung ist Purpose.

Warum lohnt sich der Besuch der ENVOCONNECT?

Weil die ENVOCONNECT der seltene Ort ist, an dem Akteure und Macher mit durchaus sehr unterschiedlichen Perspektiven nicht übereinander, sondern miteinander reden.

Welcher Innovation oder welchem Projekt folgen Sie derzeit mit besonderem Interesse?

Weniger eine einzelne Technologie als eine Frage: Wie lassen sich in einem derart komplexen Feld wie der Hafenwirtschaft Interessen und Akteure überhaupt zusammenführen? Wem das gelingt, hat die eigentliche Innovationsleistung erbracht. Alles andere ist zwar äußerst anspruchsvoll, aber dann planbar.

Wenn es keine einfachen Antworten gibt

Panel und Keynote setzen damit unterschiedliche Akzente, greifen aber ineinander. Während das Panel konkret danach fragt, wer in unsicheren Zeiten Verantwortung übernimmt und Entscheidungen trifft, richtet Errichiello den Blick auf die Ebene darüber: Welche Haltung steht hinter diesen Entscheidungen und wie glaubwürdig wird sie nach außen vertreten?

Dazu kommen Fragen nach der Zukunft von Infrastruktur und Lieferketten, nach Resilienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Themen, die sich nicht isoliert betrachten lassen und für die es keine einfachen Antworten gibt.

Genau darin liegt der Anspruch der ENVOCONNECT: nicht fertige Lösungen zu präsentieren, sondern unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und einen offenen Austausch über die Entscheidungen zu ermöglichen, die heute die Zukunft von Hafen, Logistik und Infrastruktur prägen.

Zwei Panelteilnehmer geben mit ihren Antworten bereits einen ersten Vorgeschmack. Die vollständige Diskussion mit Kay Simon, Robert Howe, Thoralf Krause, Christine Hein und Alexander Geisler findet auf der ENVOCONNECT 2026 statt. Und mit Prof. Dr. Oliver Errichiello kommt eine Perspektive hinzu, die den Blick noch einmal weitet: auf den Wandel selbst, auf Haltung und auf die Frage, was davon am Ende tatsächlich trägt.

ENVOCONNECT 

Der Ort, an dem die gesamte Port-Community verhandelt, was als Nächstes passiert.

Dabei sein: 30. September und 01. Oktober 2026 in der Energieleitzentrale Bremen

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