Branchenumfrage liefert erstmals konkrete Antworten – Beteiligungsfrist verlängert
Methanol, Ammoniak, Wasserstoff, ein Mix aus allen dreien oder doch ein ganz anderer Energieträger – welcher Treibstoff künftig die Schiffe der Welt antreibt, ist derzeit eine der zentralen Fragen der maritimen Transformation. Mit einer bislang einzigartigen Branchenumfrage will die Hafengesellschaft bremenports nun erstmals belastbare Antworten darauf finden, welche Kraftstoffe Reedereien tatsächlich künftig nachfragen werden. Um möglichst viele internationale Reedereien zu erreichen, wurde die Beteiligungsfrist für die Online-Befragung bis Ende April 2026 verlängert.
„In der Diskussion über die Treibstoffe der Zukunft wird bislang häufig mit Prognosen oder gefühlten Trends gearbeitet“, sagt der bremenports-Nachhaltigkeitsstratege Uwe von Bargen. „Mit unserer Umfrage wollen wir erstmals direkt von den Reedereien erfahren, welche Kraftstoffe sie künftig wirklich benötigen. Das schafft eine fundierte Grundlage für Entscheidungen in Häfen, Energiebranche und Politik.“
Erste Rückmeldungen zeigen großen Umbruch
Schon die bisher eingegangenen Antworten zeigen deutlich, dass die Schifffahrt vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Neben Biofuels und LNG rücken zunehmend Methanol, Ammoniak, Wasserstoff sowie weitere synthetische Kraftstoffe in den Fokus der Branche. Gleichzeitig deutet sich an, dass es künftig keine einzelne, dominante Lösung geben wird – vielmehr könnten mehrere alternative Energieträger parallel genutzt werden. Für Hafenstandorte bedeutet das erhebliche Herausforderungen. Denn alternative Treibstoffe erfordern neue Sicherheitskonzepte, Lagerkapazitäten und Infrastruktur für das Bunkern, also das Betanken von Schiffen.
„Wenn ein großes Containerschiff Treibstoff aufnimmt, handelt es sich um Mengen, die wiederum von anderen Schiffen angeliefert werden müssen“, erklärt von Bargen. „Welche Infrastruktur in den Häfen benötigt wird, hängt entscheidend davon ab, welche Kraftstoffe künftig tatsächlich nachgefragt werden.“
Grundlage für strategische Infrastrukturentscheidungen
Die Umfrage soll deshalb frühzeitig Hinweise darauf liefern, welche Versorgungs- und Bunkerstrukturen in den Häfen künftig tatsächlich benötigt werden. Die Ergebnisse sollen zugleich den Dialog zwischen Reedereien, Energieunternehmen, Behörden und Hafenbetreibern unterstützen.
Die Initiative ist Teil der „Green Focus“-Initiative der Bremischen Häfen, die seit Jahren eine konsequente Klimastrategie verfolgt: Das Hafenmanagement gilt seit 2013 und die Hafeninfrastruktur seit 2023 als CO2-neutral. Für das größte bremische Hafengebiet – den Überseehafen – wird zudem das Ziel verfolgt, bis 2035 CO2-neutral zu werden. Ein wichtiger Baustein dafür ist der Aufbau einer Infrastruktur für klimaneutrale Schiffskraftstoffe. Erste Schritte sind bereits umgesetzt: Seit 2025 gelten die Bremischen Häfen offiziell als „Methanol-Ready“. Damit existieren klare Sicherheits- und Genehmigungsregelungen für das Bunkern dieses alternativen Treibstoffs.
Branche weiterhin zur Teilnahme eingeladen
Mit der Verlängerung der Umfragefrist hoffen die Initiatoren nun auf eine noch breitere Beteiligung internationaler Reedereien. „Wir haben bereits eine Reihe von Daten zusammen, die ein äußerst interessantes Bild ergeben – aber je mehr Unternehmen sich beteiligen, desto belastbarer werden die Ergebnisse“, betont Kay Lutz Pakula aus der Abteilung Hafenentwicklung bei bremenports. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Branche herauszufinden, welche Kraftstoffe künftig wirklich relevant werden – damit Häfen, Energieunternehmen und Politik rechtzeitig die richtigen Weichen stellen können.“ Auf Wunsch können die Teilnehmer der Umfrage aggregierte Ergebnisse erhalten. Diese sollen unter anderem dabei helfen,
- zukünftige Versorgungs- und Bunkerstrukturen für alternative Schiffskraftstoffe zu planen,
- Produzenten und Lieferanten frühzeitig Hinweise auf mögliche Nachfrage zu geben,
- und die regulatorischen Rahmenbedingungen für das sichere Bunkern neuer Energieträger weiterzuentwickeln.
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