Kabelschleppkanal nimmt Gestalt an
Der Ausbau der Landstromversorgung im Hafen Bremerhaven schreitet weiter voran: Am Kreuzfahrtterminal an der Columbuskaje sind derzeit die Bauarbeiten für den unterirdischen Kabelschleppkanal in vollem Gange. In einer rund 100 Meter langen Baugrube auf der Kaje wurden bereits die ersten Elemente des zukünftigen Kabelkanals eingesetzt. Die Anlage soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen und Kreuzfahrtschiffen während ihrer Liegezeit eine emissionsarme Stromversorgung vom Land ermöglichen.
Die jetzt sichtbaren Betonbauteile sind Teil eines am Ende insgesamt 286 Meter langen Kabelkanalsystems, über das künftig Hochspannungskabel und Steuerleitungen entlang der Kaje geführt werden. Insgesamt besteht der Kanal aus 36 massiven Betonhalbfertigteilen mit jeweils 7,5 Metern Länge. Jedes dieser Elemente misst 1,45 Meter in Höhe und Breite und bringt rund 23 Tonnen auf die Waage. Dank einer „Nut-und-Feder“-Verbindung greifen die einzelnen Segmente formschlüssig ineinander und bilden so einen durchgehenden Kanal.
„Nachdem alle Bauteile mit Spezialgerät in der Baugrube platziert sind, werden sie im oberen Bereich eingeschalt und mit Ortbeton sowie Fahrschienenblechen ergänzt. Dieser Schritt ist notwendig, um die Präzision für den Schienenverlauf und den späteren Einbau der Klappdeckel aus verzinktem Stahl zu erreichen“, erklärt Lutz Jankowsky, Abteilungsleiter Technische Anlagen bei bremenports. Über diese Konstruktion werden die Leitungen später sicher geführt und durch die Klappdeckel – sozusagen direkt am Anlegepunkt der Schiffe an einem „Steckdosenwagen“ ans Tageslicht geholt.
Der Bau der Anlage erfolgt dabei unter besonderen Rahmenbedingungen. Um den Kreuzfahrtbetrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen, wurde die Maßnahme bewusst als Winterbaustelle begonnen – mit allen Herausforderungen, die Frost, niedrige Temperaturen und teilweise auch verzögerte Materiallieferungen mit sich bringen können. Zum anderen wird buchstäblich „am offenen Herzen“ gearbeitet: Die Bauarbeiten finden im laufenden Hafenbetrieb statt. Schiffsanläufe und Abfertigungen haben stets Vorrang, sodass Bauabläufe regelmäßig angepasst werden müssen.
Trotz dieser anspruchsvollen Rahmenbedingungen kommen die Arbeiten gegenwärtig gut voran. Ziel ist es, die Anlage im Laufe dieses Jahres in Betrieb zu nehmen. Kreuzfahrtschiffe können dann während ihrer Liegezeiten ihre bordeigene Stromerzeugung abschalten und stattdessen grünen Strom vom Land beziehen. Dadurch lassen sich Emissionen wie Feinstaub, Stickoxide und CO₂ deutlich reduzieren.
Landstrom ist dabei weit mehr als nur eine „Steckdose“ an der Kaje. Um den enormen Energiebedarf moderner Kreuzfahrtschiffe zu decken, wird am Terminal eine Anschlussleistung von 16 MVA bereitgestellt – das entspricht der Leistung mehrerer Windenergieanlagen. Je nach Größe benötigen Kreuzfahrtschiffe während der Liegezeit zwischen 4,5 und 10 Megawatt Strom – und damit ungefähr so viel wie eine Kleinstadt. Die benötigte hohe elektrische Leistung war auf der Columbusinsel nicht verfügbar. Daher wurde im Vorfeld eigens ein neues 1,6 Kilometer langes Versorgungskabel verlegt – samt einer fast 700 Meter langen Unterquerung des Kaiserhafens mittels Horizontalbohrung.
Da viele Schiffe mit einer Bordfrequenz von 60 Hertz arbeiten, während das europäische Stromnetz 50 Hertz liefert, muss der Strom vor dem Anschluss an Bord zunächst umgewandelt werden. Dafür wird parallel eine Umformerstation errichtet, die aus neun 20-Fuß-Containern bestehen wird. Dort wird die Spannung dann von 20 kV auf 11 kV transformiert und über eine rund 300 Meter lange unterirdische Kabeltrasse zur Kaje geführt, wo die Hochspannungskabel dann mithilfe eines rund 20 Tonnen schweren Kranfahrzeugs an das Schiff übergeben werden.
Die Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal ist Teil des ersten Ausbauschritts für Landstrom im Hafen Bremerhaven. Insgesamt entstehen dabei fünf Anlagen: Neben der bereits in Betrieb befindlichen Anlage für Autotransporter am Autoterminal folgen neben dem Kreuzfahrtterminal noch drei weitere Anlagen an der Containerkaje.
Die Investitionskosten für eine solche Anlage liegen – inklusive Transformatorenstation und Verkabelung – bei rund zehn Millionen Euro. Der erste Ausbauschritt wird dabei zu 50 Prozent durch den Bund gefördert. Zusätzlich unterstützt die Europäische Union das Landstromprojekt in Bremerhaven mit mehr als fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Connecting Europe Facility“.
Mit dem Ausbau der Landstromversorgung bereiten sich die Bremischen Häfen auch auf kommende europäische Vorgaben vor: Ab dem Jahr 2030 verpflichtet die EU-Verordnung „FuelEU Maritime“ große Passagier- und Containerschiffe in europäischen Häfen dazu, während der Liegezeiten Landstrom oder vergleichbare emissionsfreie Technologien zu nutzen – und verpflichtet die Häfen, diese bereitzustellen.
Weitere Infos zum Landstromausbau der Bremischen Häfen finden Sie auf der Projektseite.