Mit dem Holzhandel auf der Weser fing 1876 alles an. Heute organisiert der in Bremen beheimatete Spediteur Karl Gross weltweit Transporte über alle Verkehrsträger, insbesondere Projekt- und Schwergutladung über den Seeweg mit den Bremischen Häfen als einer zentralen Drehscheibe.
In einer Parallelstraße zur Schlachte mit Blick auf die Speicherhäuser des mittelalterlichen Bremer Hafens sitzt seit Langem die Zentrale von Karl Gross. Die drei Buchstaben KGB auf der Firmenflagge stehen allerdings nicht – wie es naheliegen könnte – für Karl Gross Bremen, sondern für Karl Gross Brake. Denn in der Hafenstadt an der Unterweser, die noch heute ein bedeutender Umschlagplatz etwa für Agrargüter und den Futtermittelimport ist, gründete Karl Gross das Unternehmen am 15. Mai 1876 – und war zunächst aktiv im Holzhandel und in der Frachtschifffahrt für den boomenden Schiffbau.
21 Jahre später, also im Jahr 1897, expandierte die Firma weseraufwärts in das aufstrebende Überseehandelszentrum Bremen, und bald darauf auch nach Bremerhaven. Bis heute ist der Firmensitz an der Weser, vieles andere hat sich jedoch geändert. Hinzugekommen sind im Laufe der Jahrzehnte etwa Standorte in Hamburg, Regensburg und Frankfurt sowie eigene Niederlassungen in den Niederlanden, in China, in den USA und in Vietnam.
Auch bei den Transportaktivitäten gab es Expansion. Schon früh kamen zum Holzhandel weitere Geschäftsfelder hinzu, zunächst etwa die eigene Spedition, später das Reedereigeschäft und die Schiffsmaklerei. Das Unternehmen baute einen Getreidespeicher auf und stieg ins Silogeschäft ein.
„Über alle Veränderungen hinweg konstant geblieben ist die Flexibilität, sich auf die verändernden Entwicklungen in der Wirtschaft einzustellen, früher noch regional, heute global“, unterstreicht Martin Kollmann. Er ist seit Juli 2010 Geschäftsführer – zunächst mit Uwe Lindemann – begann allerdings bereits 1996 als stellvertretender Importleiter im Bremer Haus.
„Wer hätte etwa vor 25 Jahren daran gedacht, dass erneuerbare Energien ein Geschäftsfeld werden könnten“, ergänzt Steffen W. Fulst. Er ist seit 2006 im Unternehmen tätig und wurde 2016 nach Ausscheiden von Lindemann als weiterer Geschäftsführer bestellt; damit kann er ebenfalls auf zwanzig Jahre Firmenzugehörigkeit zurückblicken.
Unternehmen als Familie
Lange Betriebszugehörigkeiten der weltweit derzeit insgesamt 250 Mitarbeiter sind keine Ausnahme: „Wir haben Teams und Kollegen, die langjährig und sehr loyal im Unternehmen tätig sind, auch auf den entscheidenden internationalen Managerpositionen", sagt Fulst. Immer wieder werden auch 50-jährige Dienstjubiläen gefeiert, was die Geschäftsführung und Gesellschafter zu schätzen wissen: Der Logistikdienstleister versteht sich als Unternehmensfamilie.
Als Arbeitgeber setzt Karl Gross auf Weiterentwicklung. „Die Zeiten ändern sich, wir halten Schritt“, unterstreicht Kollmann. So werden Mitarbeiter unter anderem bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und in der Gesundheitsförderung unterstützt.
All das prägt die Unternehmenskultur nach innen wie außen: „Es kennen sich fast alle Mitarbeiter untereinander, viele sind nicht nur Kollegen, sondern pflegen Freundschaften miteinander“, unterstreicht Fulst. Ebenso wie die konstante Besetzung der Geschäftsführung führe auch das zu einer sehr effizienten Arbeit, „wenn man weiß, wie der andere tickt.“ Die Kunden wüssten ebenfalls zu schätzen, „dass es immer dieselben Personen sind, die durch die Tür marschieren.“
Verstärkt wurde der Zusammenhalt zusätzlich durch die Umstrukturierung zu „Karl Gross Deutschland“. Aus einzelnen Profitcentern je Standort wurde zwischen 2023 und 2025 eine Organisation mit dezentralen Teams gebildet, die jeweils als eine fachliche Einheit, geografisch und auch standortübergreifend agieren. „Das hat unsere Effizienz vor allem in der Kundenkommunikation gestärkt“, betont Kollmann.
Im Laufe der Zeit habe es in der Firma bereits einige Umbrüche gegeben, sagt er, und findet das angesichts der langen Firmenhistorie auch nicht ungewöhnlich. „Es wurde konsolidiert und wieder expandiert, um neue Wege zu beschreiten.“ So gab es beispielsweise ab Mitte der 1990er-Jahre einen Paradigmenwechsel in den Aktivitäten, als der damalige Geschäftsführer Lindemann eine Neuorientierung einleitete und ab Ende der 1990er-Jahre C. Andreas Bunnemann als neuer Mehrheitsgesellschafter ins Unternehmen eintrat.
Einstieg in erneuerbare Energien
Wie die Flexibilität in der Praxis aussieht, veranschaulicht eine der jüngeren Aktivitäten. Für Kunden aus dem chinesischen Solarsegment wurde in Europa ein Gefahrgutlager für Lithium-Ionen-Batterien eingerichtet, von dem aus die Verteilung an die Empfänger erfolgt. Um das Geschäftsfeld langfristig zu sichern, übernahm Karl Gross die niederländische DVR-Gruppe mit ihrem Gefahrgutlager in Rotterdam.
Aus diesem Einstieg hat sich ein eigenes Standbein für erneuerbare Energien entwickelt, das inzwischen rund sieben Prozent des Umsatzes ausmacht. Mittlerweile werden komplette Battery Energy Storage Systems (BESS) auf dem Seeweg für die Kunden verschifft. Das sind unter anderem schwere Speichereinheiten mit teilweise weit über 40 Tonnen Gewicht pro Stück.
„Insgesamt entfällt etwa die Hälfte des Umsatzes auf klassische Containerverladungen in der Seefracht, also FCL, kurz für Full Container Load“, berichtet Fulst. Die andere Hälfte machen Projekt- und Schwergutladungen für Industrieanlagen, Maschinen und Großbauteile aus. Hinzu kommt die von der Niederlassung in Frankfurt am Main aus gesteuerte Luftfracht.
Die Projektverladungen werden oft über die Bremischen Häfen verschifft. Dabei gehört nach Angaben der Geschäftsführung nicht nur Bremerhaven zu den wichtigen Umschlagplätzen des Unternehmens, sondern auch der Neustädter Hafen.
Von Bremen aus reicht das Karl-Gross-Netz 150 Jahre nach der Gründung mit eigenen Niederlassungen in den Niederlanden, China, Vietnam und den USA sowie über Korrespondenzspediteure in die ganze Welt. Verbunden sind die Standorte durch moderne Kommunikation ebenso wie durch die Flagge mit den drei Buchstaben KGB. Die Gesellschaften der Karl Gross Group agieren nach eigener Beschreibung weltweit „under one flag“ – getreu dem Ursprung: von der Weser in die Welt.
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