Eine Revolution feierte in den letzten Tagen runden Geburtstag. 60 Jahre ist es her, dass der erste Container auf deutschem Boden umgeschlagen wurde – auf bremischem Boden. Entwickelt wurde die standardisierte Transportkiste vom US-Amerikaner Malcolm McLean für den kombinierten Transport per Lkw, Schiff und Bahn. Das Ziel: schnelleres Be- und Entladen, weniger Umschlagkosten, weniger Diebstahl und bessere Planbarkeit. Ein Erfolgskonzept, das heute für die globale Wirtschaft unverzichtbar ist. Und es dauerte nicht lange, bis der Container auch andere Märkte eroberte.
Vor der Einführung des Containers konnte es Tage oder Wochen dauern, bis ein Schiff be- oder entladen war. Genervt von diesem Zeitverlust entwickelte der Spediteur McLean einen Transportbehälter in den Maßen einer Lkw-Pritsche. 1956 schickte er die ersten Container von New York nach Houston. In Europa stieß das neue Konzept auf große Skepsis. Doch Bremen hatte mit der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft den Mut, sich auf die neue Technik einzulassen und empfing in der Nacht vom fünften auf den sechsten Mai den amerikanischen Stückgutfrachter „Fairland“ der Sealand-Reederei an der Pier des Bremer Überseehafens.
Gegen alle Skepsis
Damit wurde Bremen zum ersten deutschen Containerhafen und leistete in Deutschland echte Pionierarbeit. Das war besonders wichtig, weil andere Häfen und Reedereien skeptisch waren. Es würde sich nicht durchsetzen, das zusätzliche Gewicht mitschleppen zu müssen. Bremen dagegen setzte früh auf diese Entwicklung, die den Welthandel stark verändern sollte.
Angesichts des Wachstums der Containerschiffe wurde schnell klar, dass die stadtbremischen Häfen weder genug Platz noch genug Tiefgang hatten. Der Schwerpunkt verlagerte sich nach Bremerhaven, wo ab 1968 das erste Containerterminal gebaut wurde. Heute ist es einer der größten Container-Hubs in Nordwesteuropa. Bremens Mut war also nicht nur historisch wichtig, sondern auch wirtschaftlich prägend für die Region.
Von der Idee zum globalen Markt
In der Schifffahrt können Container 12 bis 15 Jahre lang genutzt werden. 1978, als die ersten Kisten ein gewisses Alter erreicht hatten, betrat das Bremer Unternehmen CHS Container Handel GmbH den Markt. „Es gibt ein Unternehmen in Hamburg, das zur gleichen Zeit begonnen hat, mit Containern zu handeln, aber wir waren mit die ersten, die das Produkt weiter genutzt haben“, sagt Christian Leopold, der gemeinsam mit Frank Pöser Geschäftsführer der CHS Container Group ist. Während es zunächst vor allem darum ging, Container zu prüfen und auszubessern, entwickelte man sich schon in den 80er-Jahren zu einem Anbieter von Service, Vermietung und Speziallösungen. Was als Idee anfing, ist ein sehr großer, globaler Markt geworden.
„Wir machen viel für die Verladung und die Verschiffung, aber unser Markt ist eher der Sekundärmarkt, und dieser ist inzwischen global“, so Leopold. „Wir haben die Internationalisierung in den letzten 15 bis 20 Jahren stark vorangetrieben, so dass unsere Kunden, die oft auf der ganzen Welt tätig sind, auch an ihren Standorten auf uns zählen können.“ Während früher ausschließlich gebrauchte Container repariert und auf dem Zweitmarkt verkauft wurden, ist mittlerweile auch der Neucontainerhandel auf verschiedene Märkte ausgerichtet.
Grenzenlose Einsatzmöglichkeiten
„Wir haben hier in Bremen zum einen den An- und Verkauf von neuen und gebrauchten Containern. Zum anderen haben wir die CHS Spezialcontainer – Shelter and Engineering GmbH. Dort modifizieren wir neue Container. Und für das Thema Raumelemente, wie Bürocontainer, haben wir kürzlich einen neuen Standort in Bremen eröffnet. Zum einen stellen wir hier große Modulbauprojekte für Schulen, Kitas, Universitäten und mehr auf die Beine, zum anderen produzieren und vermieten wir Bürocontainer und Sanitärcontainer an Baustellen oder beispielsweise Festivals. “, berichtet Leopold.
Obwohl man aufgrund der Standardisierung auf die gegebenen Dimensionen festgelegt ist, haben sich die Anwendungsfälle stark diversifiziert. „Wir bauen auch Plug-and-Play-Lösungen für große Maschinen und Anlagenbauer, die irgendwo auf der Welt Baustellen haben und beispielsweise Platz brauchen für Generatoren, weil es Greenfield-Projekte sind, also Baustellen ohne bestehende Infrastruktur. Im Prinzip sind den Einsatzmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt, solange man innerhalb der Dimensionen bleibt“, erklärt Christian Leopold.
Kreative Diversifizierung
Die Produktpalette ist bunt: Dazu zählen Werkstattcontainer, Bar-Container, Fitness-Container, Sanitäts- oder OP-Container und vieles mehr. In Bremen-Nord wurde eine komplette Schule aus Containern von CHS gebaut. Auch die repräsentativen CHS-Bürogebäude bestehen aus Containern. Mit etwas Mehraufwand kann man die Dimensionen auch verlassen: „Wir bauen zum Beispiel gerade eine Transformer-Station, die ist dann 18 Meter lang und fünf Meter breit. Sie erinnert noch an einen Container, hat Containerecken und -seitenwände, aber ansonsten hat das nicht mehr viel damit zu tun“, sagt Leopold. Vom Engineering bis zur Konstruktion wird bei CHS alles inhouse gemacht.
In den USA hat CHS viele Privatpersonen als Kunden, die Container zum Beispiel als Gartenschuppen oder überdachten Pool nutzen. In Deutschland wird der Container vor allem für den Export gekauft. „Es gibt aber viele Länder, die eher lokale Anwendungsgebiete haben“, sagt Leopold. Hier in Deutschland ist das schwieriger aufgrund der Bauvorschriften, anderswo werden Container oft als Struktur für Häuser oder Ferienunterkünfte genutzt, oder für ganze Hotels. „Wir verkaufen auch Container für Tiny Houses. Es ist eine Möglichkeit, relativ günstig eine stabile Struktur zu schaffen. Viele Leute sind sehr kreativ geworden, und wir gehören dazu.“
2 in 1 – Transport und Stall
„Eines der ungewöhnlichsten Projekte ist der Muli-Container, den wir mal für die Gebirgsjäger gebaut haben“, erinnert sich Leopold. Es ist zum einen ein Transport-Container, die Lasttiere werden darin ins Einsatzgebiet geflogen oder gefahren. Zum anderen dient er vor Ort als Unterbringung. „Der Container ist voll ausgestattet, wie ein Pferdestall, so dass die Mulis problemlos viel Zeit darin verbringen können. Das ist schon speziell. Aber grundsätzlich sagen wir, es gibt nichts, was wir nicht aus einem Container machen können.“
CHS arbeitet eng mit der Bundeswehr zusammen, aber auch mit Systemhäusern. „Wir machen zum Beispiel Unterkunftscontainer, Werkstatt- und Ersatzteilcontainer, oder 10-Fuß-Fitness-Container“, so Leopold. Die Werkstattcontainer werden mit einem Notstromaggregat ausgestattet, so dass sie völlig autark betrieben und oft mit einem Lagercontainer im Tandem ausgeliefert werden. Über eine Art Gangway kann man sich hin- und herbewegen und so in beiden gleichzeitig arbeiten.
Keine Konsumgesellschaft ohne Container
Das Leben, das wir heute führen, wäre ohne Container nicht möglich, sagt Christian Leopold: „Nur so können wir als moderne Konsumgesellschaft mit allem versorgt werden, was wir gerne hätten. Ich sehe nichts, was den Container in den nächsten Jahrzehnten ersetzen könnte. Transportkosten, Geschwindigkeit, Effizienz beim Transport und beim Umschlag, das würde sonst alles ganz anders aussehen. Auch dass man Container neun hoch stapeln kann, ist schon sehr effizient.“
Auf die Frage, was CHS als Unternehmen auszeichnet, sagt Leopold als erstes: „Dass wir Bremer sind.“ Mit Blick auf das Leistungsprofil sei es die Tatsache, dass sie ein Full-Service-Anbieter der Containerwirtschaft sind. „Wir können an Containern von A bis Z alles liefern. Die wenigsten können diese ganze Palette anbieten.“ CHS plant den weiteren Ausbau und will in Bremen weiter investieren. „Auch wenn es hier nicht immer einfach ist, hat Bremen eine ausgesprochen gute Lage zu Küste und Binnenland“, sagt Leopold.
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