LKW mit Schwergut

Reden hilft – wie Bremen für effiziente Genehmigungsprozesse im Schwerguttransport sorgt

Blaupause für ganz Deutschland

Schwerguttransporte unterliegen strengen Auflagen. Bedingt durch hohes Gewicht und besondere Ausmaße sind Ausnahmegenehmigungen für Fahrzeug und Straße nötig. Diese zu bekommen, kann in einigen Bundesländern lange dauern – nicht so in Bremen. Dort sorgt ein regelmäßiger Austausch zwischen Unternehmen, Behörden, Polizei und Infrastrukturbetreibern dafür, dass die Prozesse stetig optimiert werden.

Als Hartwig Weidt, damals als Geschäftsführer der Logistikgesellschaft eines Herstellers von Windkraftanlagen, zum ersten Mal mit Bremen als Abgangshafen für Schwergut in Berührung kam, stieß er auf viel Kompetenz. „Trotzdem hakte es, an Stellen, die mit diesen Firmen nichts zu tun hatten“, erinnert er sich. „Es konnte passieren, dass ein Transport um 3 Uhr nachts in Bremen ankam, um 4 Uhr kam die Polizei zur Kontrolle – und wenn die länger gedauert hat als bis 5 Uhr, konnten wir nicht mehr in den Hafen fahren. Passierte das an einem Donnerstag, mussten wir ganze drei Tage warten, bis es weitergehen konnte.“ 

Das wollte Weidt ändern. „Ich wollte unbedingt an Bremen festhalten, da dort ansonsten alles super geklappt hat. Also schrieb ich einen deutlichen Brief, der über unseren Spediteur vor Ort an Behörden und Senat weitergeleitet wurde.“ Aus diesem Impuls ist ein Arbeitskreis entstanden, der bis heute aktiv ist: Die GST-Schwertransportrunde, ausgerichtet von der Handelskammer. Zu den Teilnehmenden gehören Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Behörden und öffentlichen Stellen. „Wir haben die Spitzen von Senatsverwaltung, vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) und von der Polizei dabei, was sehr gut ist“, sagt Weidt. 

Porträtfoto: Hartwig Weidt
Hartwig Weidt: Repräsentant der Bremischen Häfen, Unternehmensberater und Interimsmanager.
Foto des FEEMAX-Teams inklusive Bürohund
Fenja Bierwirth (rechts), Geschäftsführerin der FEEMAX GmbH, mit einem Teil ihres Teams: Nina True, Personalleitung, Patrick Lipps, Disponent und Dalmatiner Tiamo. Foto: Anja Stubbe

Junge Gründerin bringt frischen Wind

Die junge Unternehmerin Fenja Bierwirth ist mit der FEEMAX GmbH für die Organisation von Schwerguttransporten seit knapp zwei Jahren am Markt und seitdem Teil der GST-Runde. „Ich arbeite schon seit meiner Ausbildung in diesem Bereich. Als ich mich dann 2024 selbstständig gemacht habe, wurde ich in Bremen supergut aufgenommen“, berichtet sie. „Auch Mitbewerber unterstützen mich, einfach weil sie froh sind, dass es junge Leute gibt, die diesen Job machen wollen.“

Gestartet ist Bierwirth mit Genehmigungen für den Schwerguttransport: „Das ist meine große Leidenschaft. Dann kam die Idee, zusammen mit einem Unternehmen aus Hessen ein paar Begleitfahrzeige der Klasse 4 zu kaufen. Wir haben mit vier Fahrzeugen angefangen, und das läuft so gut, dass wir jetzt noch vier dazu geordert haben. Jetzt, nach eineinhalb Jahren sind wir insgesamt elf Kolleginnen und Kollegen, vier davon arbeiten im Büro.“

Ein neuer Spirit

Beim ersten Treffen der GST-Runde im Jahr 2012 wurden alle Probleme auf den Tisch gebracht. „Wir haben ausführlich erklärt, warum es so nicht funktionieren kann. Und dann ist etwas passiert“, erinnert sich Weidt. „Es kam bei allen das Gefühl auf: Mensch, gemeinsam müssten wir das doch hinbekommen.“

Dieser neue Spirit führte zum einen dazu, dass Unternehmen begannen, das ASV direkt anzusprechen, wenn sie auf Hürden stoßen. Zum anderen änderte sich die Einstellung beim ASV: „Dort fragt man sich heute nicht mehr, wie man das noch alles schaffen soll, sondern vielmehr, wie man die Unternehmen unterstützen und Probleme kreativ aus dem Weg räumen kann“, sagt Weidt wohlwollend. „Das ist genau das, was ich mir gewünscht habe.“

Schwerguttransport einer Windkraftanlage
Bei den Schwerguttransporten nach Bremen handelt es sich oft um Teile für Windkraftanlagen – eine einfache Kurve wird schnell zur Herausforderung. Foto: Adobe Stock

Schnelles Handeln für schnelle Ergebnisse

Erste Schritte wurden direkt vereinbart: Das Zeitfenster für begleitpflichtige Transporte wurde von 22 Uhr bis 5 Uhr auf 22 Uhr bis 6 Uhr verlängert – seit 2025 sind solche Fahrten schon ab 20 Uhr machbar. Außerdem wurde eine fünfte Transportnacht von Freitag auf Samstag unter bestimmten Umständen ermöglicht. In Bremerhaven dauerte es etwas länger, doch inzwischen ist auch hier ein Transport in der Nacht von Freitag auf Samstag genehmigungsfähig. Außerdem wurde die Zahl der angeordneten Begleitfahrzeuge reduziert und beschlossen, verschiedene Strecken und Beschilderungen zu optimieren und umzubauen.

Besonders wirksam war die Aufstockung des Personals für das Genehmigungsverfahren beim ASV. „Praktisch im Anschluss an die erste Sitzung wurden schon zwei neue Leute dorthin beordert“, so Weidt. Darüber hinaus wurde das Verfahren für die Abfahrtskontrollen harmonisiert, eine Clearing-Stelle für Problemfälle geschaffen und ein Erlass für eine sogenannte Durchläuferregelung veröffentlicht, so dass bestimmte Transporte mit bestimmten Abmessungen grundsätzlich genehmigt werden können, ohne die Behörden dazu anzuhören. Auch die Schaffung hafennaher Übergabeplätze an der A1 und der A27 ist in Planung.

Bearbeitungsdauer deutlich gesunken

In kurzer Zeit hat sich die Bearbeitungsdauer für Genehmigungen von sechs bis sieben Wochen auf zwei bis drei Wochen verkürzt. Im Jahr 2017 kam es nochmal zu einem Einbruch – das Aufkommen an Anträgen war sprunghaft angestiegen. Das ASV reagierte zügig und stockte das Personal weiter auf: von 7,5 auf 13 Vollzeitäquivalente. „In 2018 konnten dann weit über 60.000 Anträge abgewickelt werden, während es 2013 noch 36.000 waren“, sagt Weidt. Die Bearbeitungszeit sank erneut, auf vier bis zehn Tage. 

Fenja Bierwirth betont: „Die GST-Runde ist wirklich relevant, auch, weil Bremen ein superwichtiger Hafen für die Energiewende ist. Es geht oft um Windkraftanlagenteile, die transportiert werden, und da gab es damals einen Antragsstau. Es ist gut, dass das Personal so stark aufgestockt wurde.“ Mit den Behörden läuft es seitdem richtig gut. „Die kommen sogar mit raus, schauen sich die Praxis an – man kennt sich mittlerweile und kann richtig gut miteinander kommunizieren. Seitdem ich mit Feemax am Markt bin, habe ich keinen Antragsstau mitbekommen, ganz im Gegenteil.“ 

Herausforderungen gemeinsam anpacken

Bei jedem Treffen der GST-Runde ist das Ziel, über aktuelle Themen zu informieren und gemeinsam Lösungen finden. Wie kürzlich, als die Autobahn GmbH eine Vollsperrung der A281 für Sanierungsarbeiten angekündigt hat. „Da konnten wir Einwand erheben, schließlich hängen da nicht nur Schwerguttransporte dran, sondern das gesamte GVZ ist davon abhängig. Jetzt wird immerhin geprüft, ob nicht auch eine wechselseitige Sperrung möglich ist. Das sind Dinge, bei denen es für uns alle wichtig ist, sie zu kennen und mitwirken zu dürfen“, sagt Fenja Bierwirth.

Außerdem stehen systemrelevante Themen auf der Agenda, wie die Weiterentwicklung der Verfahrens-Management-System-Plattform VEMAGS, über die die Genehmigungsanträge gestellt werden. Dort wird über neue Gesetzesentwürfe informiert, über geplante Erneuerungen und mehr, auf das zu achten ist. Mit einem neuen Release sollen auch Baustellen angezeigt werden, ab spätestens einem Tag nach Einrichtung, oder Einschränkungen von Brücken. „Ich muss aber sagen, in der Praxis funktioniert das noch nicht so ganz“, so Bierwirth. „Andere europäische Länder, wie Dänemark, sind da schon deutlich weiter.“

Infrastruktur ist limitierender Faktor

Die GST-Runde stellte bei ihrer jüngsten Sitzung im Dezember fest: Die Abläufe in Bremen funktionieren gut, bundesweit wird der Schwerguttransport allerdings zunehmend schwieriger – durch Umwege und hohe Begleitkosten, verursacht durch Einschränkungen wie auf den Brücken der A1 und der A27. Das ist ein Wettbewerbsnachteil im EU-Vergleich und ein Problem für Bremen: Wer nicht mehr über die Autobahn kommen kann, der fährt einfach Richtung Nordwesten, nach Rotterdam. Und sind die Verkehre erstmal umgestellt, wird es schwierig, ein Unternehmen zur Rückkehr zu bewegen. So wird derzeit geprüft und erfasst, wie und wo Schwerguttransporte auf das Binnenschiff oder die Schiene verlagert werden können. 

Doch abgesehen vom gesamtdeutschen Zustand der Infrastruktur, auf den Bremen direkt keinen Einfluss hat, sind sich die Teilnehmenden der Runde einig: Bremen und Bremerhaven haben sich stark verbessert, während Hamburg weiter mit langen Genehmigungszeiten kämpft. Auch die Zusammenarbeit zwischen Bremen und Bremerhaven wurde intensiviert. „Die GST-Runde sollte eine Blaupause sein für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden überall“, ist Hartwig Weidt überzeugt.

Foto von Schwergut transportiert auf Schienen
Aufgrund des Zustands der Straßeninfrastruktur wird derzeit geprüft, ob und wie Schwerguttransporte auf andere Verkehrsträger wie die Schiene oder das Binnenschiff verlagert werden können. Foto: Adobe Stock
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