Wie Lieferketten zwischen Krisen, Daten und neuen Abhängigkeiten bestehen können
Globale Lieferketten stehen unter Druck. Geopolitische Konflikte, neue Nachhaltigkeitsanforderungen, Energiefragen und wirtschaftliche Unsicherheiten verändern die Rahmenbedingungen für Häfen, Reedereien und Logistikunternehmen spürbar. Doch bedeutet das das Ende der Globalisierung oder vielmehr ihre nächste Entwicklungsstufe?
Globalisierung ist mehr als Handel
Für Mechthild Schrooten, Volkswirtin an der Hochschule Bremen, beginnt die Diskussion bereits bei der Begrifflichkeit. Oft werde von Globalisierung gesprochen, als handele es sich um ein einheitliches Phänomen. Tatsächlich verlaufen unterschiedliche Bereiche sehr verschieden. „Wenn wir über Globalisierung sprechen, muss man immer genau hingucken: Was meint man denn eigentlich damit? Handel, Finanzen, Migration-Das läuft alles sehr unterschiedlich.“, so Schrooten. Während einige Warenströme weiterwachsen, verändern sich Finanzmärkte, politische Allianzen und internationale Beziehungen teilweise deutlich schneller. Die Globalisierung verschwindet nicht. Sie verändert ihre Form.
Daten werden zum strategischen Faktor
Für die Logistikbranche bedeutet das vor allem eines: Komplexität nimmt zu. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden, während Unsicherheiten wachsen. Für Maika Ziel, Senior Director Data Excellence bei Hapag-Lloyd, liegt ein wichtiger Schlüssel deshalb in der intelligenten Nutzung von Daten.
Als eine der weltweit führenden Linienreedereien verfügt Hapag-Lloyd über enorme Mengen an Informationen entlang globaler Lieferketten. Entscheidend sei jedoch nicht die reine Verfügbarkeit der Daten, sondern deren Nutzung. „Hapag-Lloyd sitzt auf einem riesigen Datenschatz. Und diesen Datenschatz müssen wir für uns nutzen, um besser zu planen, besser zu reagieren und Zusammenhänge zu verstehen, die unsere Entscheidungen tragen.“ sagt Maika Ziel voller Überzeugung. Denn Daten schaffen Transparenz über Lieferketten, helfen bei der Risikobewertung und ermöglichen fundiertere Entscheidungen. Gerade in einer Zeit, in der politische Ereignisse oder Naturereignisse weltweite Auswirkungen haben können, wird diese Fähigkeit zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.
Künstliche Intelligenz: Risiko oder Chance?
Gerade für datengetriebene Unternehmen eröffnen KI-Anwendungen neue Möglichkeiten, Zusammenhänge schneller zu erkennen, Prozesse zu optimieren und Entscheidungen besser vorzubereiten. Daher plädiert Maike Ziel für einen pragmatischen Blick. Die Diskussion werde häufig von Sorgen über Abhängigkeiten oder Risiken dominiert. Dabei dürfe der Blick auf die Potenziale nicht verloren gehen. Aus ihrer Sicht sei es die falsche Herangehensweise, bei Künstlicher Intelligenz einfach zu sagen: ‘Wir wollen uns nicht abhängig machen’. “Es ist wichtig, neugierig zu bleiben und die Chancen zu sehen, nicht die Risiken.” führt Ziel weiter aus.
Können Lieferketten Stabilität fördern?
Neben wirtschaftlichen und technologischen Fragen ist der Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung globaler Verflechtungen ebenso relevant. Für Mechthild Schrooten steckt in funktionierenden Lieferketten mehr als wirtschaftlicher Nutzen: „Meine Hoffnung ist, dass eine globale Lieferkette gewissermaßen als Friedenssicherung dient. Niemand hat etwas davon, dass Konflikte Lieferketten stören. Das könnte ein gemeinsames Interesse sein.“ Ein Gedanke, der angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen aktueller kaum sein könnte. Denn globale Lieferketten verbinden nicht nur Unternehmen und Märkte, sondern auch Volkswirtschaften und Gesellschaften.
Häfen bleiben zentrale Knotenpunkte
Für die Hafen- und Logistikbranche bedeutet all das: Die Anforderungen steigen. Resilienz, Transparenz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen gleichzeitig berücksichtigt werden. Häfen bleiben dabei zentrale Knotenpunkte globaler Wertschöpfungsketten und stehen vor der Aufgabe, sich kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen anzupassen.
Folge #13 „Globalisierung im Wandel – Wie Lieferketten zwischen Krisen, Daten und neuen Abhängigkeiten bestehen können“
Darüber sprechen Marilena Dahlmann und Keno Bergholz in der aktuellen Podcast-Folge mit Maika Ziel und Prof. Dr. Mechthild Schrooten. Sie zeigen, dass die Zukunft der Globalisierung nicht in einem Rückzug liegt, sondern in der Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen und Chancen aktiv zu nutzen.
Zur Podcast-Folge
Maika Ziel
Maika Ziel, Senior Director Data Excellence bei Hapag-Lloyd, verantwortet datengetriebene Strategien und beschäftigt sich mit der Frage, wie Daten und Künstliche Intelligenz die Zukunft globaler Lieferketten prägen.
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