Wie Martin Delion das Familienunternehmen auf Wachstumskurs brachte
Martin Delion ist in vierter Generation geschäftsführender Gesellschafter der Heinrich Hoppe GmbH. Seitdem er 2017 ins Unternehmen eingetreten ist, hat der heute 38-Jährige viel bewegt. Zu Spedition, Transport und Lagerei ist der Im- und Export von See- und Luftfracht gekommen. Mit der Übernahme der V. Alexander Transport Systems entstand die Delion Group. Die Belegschaft ist von 20 auf heute 150 Mitarbeitende gewachsen. Das Unternehmen verfügt über 50 Lkws, rund 100.000 Quadratmeter Lagerfläche und bewegt jährlich mehr als 10.000 Seefrachtcontainer.
Einstieg mit Umweg
1925 wurde die Heinrich Hoppe GmbH von Delions Urgroßvater Heinrich Hoppe gegründet und später von seinem Großvater weitergeführt. Dann sollte sein Onkel das Ruder übernehmen, der es schließlich doch an Delions Mutter abgab. „Meine Mutter ist also die dritte Generation und mit 69 Jahren heute noch dabei. Durch die Heirat mit meinem Vater kam der neue Name ins Unternehmen“, erzählt Martin Delion. Schon mit sechs Jahren war er beim Großvater in der Werkstatt und kletterte über die Stapler. „Seine Art hat mich geprägt. Ein Handschlag ist für mich ebenso verbindlich wie ein schriftlicher Vertrag.“
Zunächst war das Familienunternehmen für Martin Delion keine Karriereoption. Er ging nach Bremen und arbeitete elf Jahre lang in der See- und Luftfracht und in der Lagerkontraktlogistik. Als sein Großvater 2015 starb, hat seine Mutter ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, die Firma irgendwann zu übernehmen. „Ich habe lange überlegt, da das Geschäft nicht sehr gut lief. Mit etwa 20 Mann sind wir Lkw gefahren und hatten ein bisschen Lagerei“, erinnert sich Delion. Allerdings entwickelte sich der Job in Bremen anders als erhofft, so entschloss er sich dann doch zum Wechsel ins Familienunternehmen.
Seefracht als Steckenpferd
Vorher ging es aber noch zwölf Wochen mit dem Rucksack durch die USA. Da war er Ende 20. In der Firma hat keiner auf ihn gewartet, alles ging seinen Gang. Also hat Delion erstmal Grundlagen gelegt: „Ich habe meinen Lkw-Führerschein gemacht, bin Lkw gefahren, Stapler gefahren und habe disponiert.“ Als er eines Tages die Dokumente eines Kunden in die Hand bekam, den seine Familie schon gut zehn Jahre mit Lagerei, Lkw-Transporten und Hafenabfertigung betreute, war das der Startschuss. Er beschloss, auch die internationale Seefrachtabfertigung für diesen Kunden zu übernehmen. „Seefracht ist mein Steckenpferd. Ich habe gedacht, das kann ich doch besser“, erinnert er sich.
„Zusammen mit einem Kollegen aus alten Zeiten habe ich die See- und Luftfrachtabteilung gegründet. Noch heute holen wir für diesen ersten Kunden über Bremerhaven Sesamkörner aus Guatemala, die gehen vor allem an einen Großbäcker, der eine große Fast-Food-Kette beliefert“, berichtet Delion. „Von unserem Lager aus verfrachten wir den Sesam nach ganz Europa, vom 25-Kilo-Sack bis zum 1-Tonnen-Big-Bag.“ Es war ihm wichtig, dem Unternehmen ein breiteres Portfolio zu geben. „Wir können Kunden heute alles aus einer Hand bieten, egal von wo oder wohin in die Welt.“ Die Läger von Heinrich Hoppe sind Multi User-Anlagen für jede Art von Waren. Die Versandleistungen reichen von der kompletten Lkw-Ladung bis zum Einzelpäckchen, auch im E-Commerce Fulfillment. „Den Bereich Fulfillment wollen wir weiter ausbauen, dafür haben wir jetzt auch das Team verstärkt“, sagt Delion.
Corona als Wachstumsturbo
2020 zog Heinrich Hoppe von Achim nach Oyten, da der Zustand der Hallen nicht mehr den Anforderungen entsprach. „Wir hatten auch in Bremen angefragt, damals konnte man uns aber kein Grundstück geben, das gepasst hätte. Also haben wir unseren eigenen Standort und fünf angemietete hier zusammengezogen.“ Schon bald kam der erste Lockdown der Corona-Krise. „Ich habe gedacht, jetzt gehe ich mit allem unter“, erinnert sich Delion. „Doch es war der Turbo für uns. Wir waren einer von wenigen, die genügend Lagerkapazitäten frei hatten, und dazu die Seefrachtabteilung. So sind wir in wenigen Jahren von 5 Millionen auf 30 Millionen Umsatz gewachsen.“
Weitere Flächen und Immobilien folgten, unter anderem im Industriehafen. 2022 hat Heinrich Hoppe die Firma Achimer Transport Management ATM gekauft, 2024 die V. Alexander Transport Systems in Bremen übernommen, mit 18 Mitarbeitenden spezialisiert auf den See- und Luftfrachtexport nach Amerika. Inzwischen bewirtschaftet das Unternehmen etwa 100.000 Quadratmeter Lagerfläche und betreibt 50 Lkws. „Wir sind jetzt bei rund zehntausend Seefrachtcontainern, die wir pro Jahr im Im- und Export bewegen.“ Im Import kommt viel aus Asien. Deko, Möbel und ähnliches, aber auch Lebensmittel. Mehrere Tausend Container mit Möbeln für Möbelketten in ganz Europa pro Jahr holt Hoppe beispielsweise aus Indien.
Der Weg eines Seefrachtcontainers
Für die Abwicklung hat Heinrich Hoppe in den Ausgangsländern kleine und mittlere Speditionen als Partner, die sogenannten Agenten. Wenn zum Beispiel ein Auftrag über 20 Container Möbel kommt, platziert der Agent ihn bei der Fabrik und erfährt vom Fabrikanten, wie viele Container er zu welchem Zeitpunkt füllen kann. Heinrich Hoppe informiert den Agenten über Reederei, Schiff und den Kontrakt, der organisiert den Transport, einschließlich Zollabwicklung. Dann gehen die Container aufs Wasser. „Nach der Ankunft in Bremerhaven, Wilhelmshaven, Hamburg oder den Westhäfen kümmern wir uns um die Verzollung, ob Zolllager, aktive oder passive Veredelung – insgesamt bedienen wir elf verschiedene Zollvariationen“, sagt Delion. Im Fall der Möbel gehen die Container meist direkt per Lkw zu den Möbelhäusern.
Grundsätzlich entscheidet der Kunde: Ist es eilig, läuft es per Lkw, wenn mehr Zeit ist, wird das Binnenschiff oder die Bahn genutzt. „Wenn es der Zug sein soll, holen wir einen Teil oft über Roland Umschlag, die bieten gute Verbindungen mit Bremerhaven und Wilhelmshaven“, so Delion. In vielen Fällen kommen die Container zunächst ins eigene Lager bei Heinrich Hoppe. „Wir entladen per Hand oder per Stapler und lagern die Waren auf unbestimmte Zeit ein, bis der Kunde uns sagt, wieviel davon er wohin haben möchte. Dann verschicken wir entsprechend.“
„Der schnellste Hafen, den wir haben“
„Seit einigen Jahren bin ich selber Bremer, daher liegt mir die Stadt sehr am Herzen. Bremerhaven ist unser bevorzugter Hafen. Das ist allerdings nicht immer einfach, denn Bremerhaven wird von relativ wenigen Reedereien angelaufen, schon weil die Volumina kleiner sind als zum Beispiel in Hamburg. Deswegen ist es schwieriger, dort Platz und attraktive Raten zu bekommen“, erklärt Delion. Rund die Hälfte seiner Container geht über Bremerhaven, der Rest ist auf Hamburg, Wilhelmshaven und die Westhäfen verteilt. Wenn er sich etwas wünschen dürfte, wäre das eine engere Zusammenarbeit zwischen den deutschen Seehäfen.
Für Delion spricht nicht nur das Herz, sondern auch die Ratio für Bremerhaven. „Meiner Ansicht nach ist es der schnellste Hafen, den wir haben. Hamburg ist verkehrs- und abwicklungstechnisch schwierig. Bremerhaven bietet in Prinzip alles an, wir können mit Containern über Bremerhaven gehen, aber auch mit Schwerlast. Die Anbindung ist gut, insbesondere, seit der Tunnel in der Stadt fertig ist. Die Staugefahr ist Richtung Bremerhaven sehr viel geringer als Richtung Hamburg. Bremerhaven ist einfach unkompliziert bremisch, so kann man es zusammenfassen.“
Zusammenfassung:
Seit seinem Einstieg 2017 hat Martin Delion die Heinrich Hoppe GmbH von einer kleinen Spedition zu einem vielseitigen Logistikunternehmen entwickelt. Der geschäftsführende Gesellschafter in vierter Generation setzte auf neue Geschäftsfelder, internationale Seefracht und Luftfracht sowie den Ausbau der Lagerlogistik. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe rund 150 Mitarbeitende, betreibt 50 Lkw und bewirtschaftet etwa 100.000 Quadratmeter Lagerfläche.
Mit der Gründung einer eigenen See- und Luftfrachtabteilung legte Delion den Grundstein für die Weiterentwicklung des Familienunternehmens. Weitere Meilensteine waren der Umzug nach Oyten, die Übernahme der Achimer Transport Management GmbH im Jahr 2022 und die Integration von V. Alexander Transport Systems im Jahr 2024. Der Umsatz stieg innerhalb weniger Jahre von fünf auf 30 Millionen Euro. Heute bewegt das Unternehmen jährlich mehr als 10.000 Seefrachtcontainer und bietet seinen Kunden umfassende Logistiklösungen aus einer Hand – von Transport und Verzollung über Lagerung bis hin zum E-Commerce-Fulfillment.
Bei allem Wachstum bleibt Delion seinen Werten treu: Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und kurze Wege prägen seine Unternehmensführung. Auch seine Verbundenheit mit Bremen und Bremerhaven spiegelt sich in seiner Logistikstrategie wider. Für ihn steht Bremerhaven als bevorzugter Hafen für eine unkomplizierte Abwicklung und gute Verkehrsanbindung – ganz nach dem Motto: unkompliziert bremisch.
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