Nach über 28 Jahren als Geschäftsführung des Vereins Bremer Spediteure und des Bremer Rhedervereins endet eine Ära: Robert Völkl verabschiedet sich in den Ruhestand. Mit Angelica Lorenz Medina übernimmt eine Nachfolgerin, die neue Impulse setzen und die Identität des Verbandes bewahren möchte. Es ist ein Übergang, der geprägt ist von gegenseitigem Respekt, fachlicher Wertschätzung und einer gemeinsamen Leidenschaft. Die Leidenschaft für die Logistik.
Ein Berufsleben für die Branche
Wer Robert Völkl zuhört, merkt schnell: Hier verabschiedet sich niemand, der lediglich eine Position bekleidet hat. Hier geht ein Mensch, der seine Aufgabe über fast drei Jahrzehnte mit großer Ernsthaftigkeit, Überzeugung und Hingabe ausgefüllt hat. Jemand, der die Branche nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet hat: oft leise, aber mit nachhaltiger Wirkung.
„Verbandsarbeit sollte keinen Unmut erzeugen“, sagt Völkl rückblickend. Ein Satz, der viel über sein Selbstverständnis verrät. Denn seine Arbeit war nie darauf ausgelegt, im Vordergrund zu stehen. Vielmehr verstand er sich als Vermittler, Stabilitätsanker und Interessenvertreter einer Branche, die sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.
Als Völkl 1998 die Geschäftsführung in Bremen übernahm, war die Welt der Spedition noch eine andere. Digitalisierung steckte in den Kinderschuhen, Kommunikation lief persönlicher, Prozesse langsamer, aber oftmals direkter. Heute bewegen sich die Unternehmen in hochkomplexen globalen Lieferketten, geprägt von Krisen, geopolitischen Spannungen und dem Wunsch nach Automatisierung.
Doch trotz aller Veränderungen sieht Völkl den Kern unverändert: „Die Aufgabe von Spediteuren ist es, Transportketten zu organisieren und Kunden durch die komplexen logistischen Abläufe zu führen.“ Genau darin liege auch künftig die Stärke der Fachkräfte. In Fachwissen, Erfahrung und der Fähigkeit, Lösungen zu schaffen, wenn Prozesse ins Stocken geraten. Diese Haltung prägte auch seine Arbeit im Verein. Über die Jahre entwickelte Robert Völkl die Geschäftsstelle zu einer fachkundigen, verlässlichen und hoch vernetzten Institution. Die Arbeit des Verbandes beruhte dabei auf fünf zentralen Aufgaben: die Mitglieder zu informieren, sie fachlich zu unterstützen, Menschen innerhalb der Branche miteinander zu vernetzen, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und gemeinsame Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu vertreten.
Besonders stolz ist er – auch wenn ihm das Wort „Stolz“ hörbar schwerfällt – auf die Stabilität des Konstrukts, das beiden Verbänden ermöglicht, kostendeckend zu arbeiten. Seit 1974 teilen sich der Verein Bremer Spediteure und der Bremer Rhederverein Personal, Räume und Geschäftsführung. Eine Konstellation, die gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten viel Fingerspitzengefühl und Sensibilität erfordert.
Zukunft schaffen für den Nachwuchs
Sichtbar geworden ist das Wirken des Vereins an vielen Stellen. Besonders prägend war für Robert Völkl der Neubau der Berufsschule für den Großhandel, Außenhandel und Verkehr. Ein Projekt, für das der Verband über Jahre gekämpft hatte. Die alte Schule war marode, Unterricht teilweise nur unter widrigen Bedingungen möglich. Heute steht in der Nordstraße 360 in Walle ein modernes Gebäude mit innovativen Lernräumen, digitaler Ausstattung und offenen Arbeitsflächen. Dass der Verein Bremer Spediteure maßgeblich daran beteiligt war, zusätzliche Mittel für die Ausstattung einzuwerben, erfüllt Völkl mit besonderer Freude. Fast 800.000 Euro an Sponsorengeldern kamen zusammen. „Das ist eine Schule, die sich Schulleitungen und andere Verantwortliche aus unterschiedlichen Bundesländern anschauen“, sagt er nicht ohne Begeisterung.
Netzwerke, Vertrauen und Verantwortung
Doch so sehr ihm Infrastrukturprojekte und politische Themen am Herzen lagen, mindestens ebenso wichtig war Robert Völkl, Menschen zusammenzubringen, Austausch zu ermöglichen und Netzwerke innerhalb der Branche zu stärken. Ob bei Fachkommissionen, Spediteurfrühstücken oder Veranstaltungen, für Völkl waren es stets die Gespräche zwischen Menschen, aus denen neue Ideen, gemeinsame Positionen und langfristige Zusammenarbeit entstehen. „Der Austausch bringt neue Gedanken hervor“, sagt er. Gerade in einer Branche, die sich permanent verändert, sei es wichtig, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Mitglieder ernst nehmen, erreichbar sein, helfen können: das war für ihn nie Nebensache. „Es macht keinen Unterschied, ob ein geschäftsführender Gesellschafter anruft oder ein Auszubildender“, sagt Völkl. „Alle werden freundlich und zuvorkommend behandelt.“ Diese Haltung hat die Kultur des Verbandes über Jahre geprägt und dazu beigetragen, dass der Verein nicht nur als Interessenvertretung, sondern auch als verlässliche Partner wahrgenommen wird. Vielleicht erklärt genau das auch, warum seine Verabschiedung im April emotional war. Nach Jahrzehnten der Verantwortung erhielt Völkl große Anerkennung von Mitgliedern, Vorständen und langjährigen Wegbegleitern. Für ihn selbst keine Selbstverständlichkeit. „Ich bin sehr dankbar“, sagt er. Dankbar dafür, dass sein beruflicher Weg ihn genau an diese Stelle geführt habe. Dankbar auch für das Vertrauen und die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurden. Man spürt: Hier blickt jemand mit tiefer Zufriedenheit auf ein Berufsleben zurück.
Übergabe unter besonderen Umständen
Noch bis Ende Mai begleitet er die Übergabe an seine Nachfolgerin Angelica Lorenz Medina. Und diese Übergangsphase verlief alles andere als gewöhnlich: Ein Unfall Anfang des Jahres zwang Völkl zunächst ins Krankenhaus und später ins Homeoffice. Die Einarbeitung erfolgte deshalb größtenteils telefonisch, per E-Mail und aus der Distanz. Doch genau in dieser Situation zeigte sich, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert.
Angelica Lorenz Medina bringt nicht nur langjährige Erfahrung aus der Logistikbranche mit, sondern auch eine enorme Energie und einen klaren Gestaltungswillen. Ihre Laufbahn führte sie durch operative Tätigkeiten, Compliance-Themen, Führungspositionen und zeitweise bewusst hinaus aus der Branche. Erfahrungen, die ihren Blick erweiterten.
Moderne Ansätze für eine traditionsreiche Institution
„Ich möchte Dinge zum Laufen bringen“, sagt sie. Besonders das Thema Nachwuchsgewinnung liegt ihr am Herzen. Für sie ist es alarmierend, wie wenig junge Menschen heute über die Möglichkeiten der Logistikbranche wissen. Dabei sieht sie gerade in Bremen enormes Potenzial. „Es sind Berufe mit Substanz“, sagt sie über die Ausbildung in der Spedition. Mehr Präsenz an Schulen, auf Messen und bei Veranstaltungen, das möchte sie künftig vorantreiben. Denn für sie steht fest: Die Branche muss sichtbarer werden und junge Menschen direkter ansprechen.
Auch organisatorisch möchte Lorenz Medina neue Impulse setzen: moderne IT-Strukturen, schlankere Prozesse, weniger Papier. Gleichzeitig betont sie mehrfach, wie gut strukturiert sie den Verband übernommen habe. „Herr Völkl hat hervorragende Arbeit geleistet“, sagt sie offen.
Zwischen beiden scheint dabei eine besondere Mischung aus Respekt und Offenheit entstanden zu sein. Während Völkl die Ruhe und Erfahrung eines langjährigen Geschäftsführers mitbringt, steht Lorenz Medina für Dynamik und einen frischen Blick auf die Branche. Dass sich dadurch auch der Stil des Verbandes verändern wird, hält Robert Völkl für wahrscheinlich und ausdrücklich für richtig. „Vielleicht passt es einen Tick besser in die Zeit“, sagt er mit einem leichten Schmunzeln.
Doch hier endet nicht einfach eine Ära. Sie wird mit neuen Ideen fortgeführt. Robert Völkl hinterlässt einen Verband, der fachlich anerkannt, wirtschaftlich stabil und personell gut aufgestellt ist. Angelica Lorenz Medina übernimmt diese Verantwortung mit spürbarer Motivation und dem Wunsch, die Branche aktiv mitzugestalten: „Es ist kein Job. Es ist eine Aufgabe. Eine Aufgabe, in der ich für unsere Mitgliedsunternehmen etwas bewegen, etwas bewirken kann.“
Und während der eine künftig mehr reisen, Gitarre und Schach spielen möchte, beginnt für die andere gerade ein neues Kapitel. Und für den Verein Bremer Spediteure ist es damit ein Moment zwischen Dankbarkeit und Aufbruch.
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